Bauchspeicheldrüsenkrebs, Pankreaskarzinom

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Bauchspeicheldrüse Krebs, Pankreastumor

BauchspeicheldrüsekrebsBauchspeicheldrüsenkrebs führt in 95 Prozent der Fälle schon in den ersten fünf Jahren nach der Diagnose zum Tod.  Symptome Untersuchung Klassifikation Krankheitsstadien.

Bauchspeicheldrüse produziert Hormone und Enzyme, die für Blutzuckerregulierung und die Verdauung notwendig sind.

Erkrankungen an Bauchspeicheldrüsenkrebs (Pankreaskarzinome) nehmen stetig zu. 2014 wurden in Deutschland rund 17.000 neuerkrankte Patienten registriert. Männer und Frauen sind ungefähr gleich häufig betroffen. Männer erkranken im Mittel mit 71 Jahren, Frauen mit 75.
Bei der Häufigkeit stehe dieser Krebs an zehnter Stelle, bei der Sterblichkeit dagegen an vierter.

Seit dem Jahr 2000 sind die Sterbefälle bei Männern von 7,6 auf 8,0, bei Frauen von 5,0 auf 5,6 pro 100.000 Personen gestiegen.

Der Grund: Das Pankreaskarzinom breitet sich schon in sehr frühem Stadium aus und im Frühstadium verursacht praktisch keine Symptome und wird daher meist zu spät entdeckt. 
Als frühe Symptome werden unspezifische Bauchschmerzen, Verschlechterung des Allgemeinzustandes, unwillkürlicher Gewichtsverlust oder auch anhaltende Rückenschmerzen berichtet.
 
Wer die erste 9 Jahre mit Pankreaskarzinom überlebt, stirbt häufig an einer  anderen Ursache

Behandlung Bauchspeicheldrüsekrebs siehe hier => Behandlung Pankreaskarzinom

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Die meisten Patienten erkranken an Bauchspeicheldrüsenkrebs zwischen dem 60. und 80. Lebensjahr. Dabei sind Männer und Frauen in etwa gleich häufig betroffen.
Die meiste Tumore des Pankreas befallen den exokrinen Teil des Organs, nur wenige Tumore entwickeln sich im endokrinen Teil.

Viele merken zunächst nicht, dass sie Bauchspeicheldrüsenkrebs haben. Die Krankheit verläuft am Anfang ohne oder mit nur leichten Beschwerden, die auch bei harmlosen Krankheiten auftreten. Eindeutigere Symptome treten meist erst dann auf, wenn der Krebs bereits andere Organe befallen hat. So sind Gelbsucht, Appetitlosigkeit, Gewichtsverlust und Juckreiz typisch für Bauchspeicheldrüsenkrebs. Hinzu kommen Beschwerden wie Durchfall, Erbrechen oder Bauch- und Rückenschmerzen.

Die Zellen unseres Körpers verändern sich ständig: Alte sterben ab und werden durch neue ersetzt.
Manchmal gerät dieser Kreislauf jedoch außer Kontrolle. Wenn sich neue Zellen ungebremst vermehren und alte Zellen nicht absterben, entsteht ein Tumor.

Früherkennung für Bauchspeicheldrüsenkrebs

Experten haben keine Belege gefunden, dass Früherkennungsuntersuchungen den Krankheitsverlauf beeinflussen oder die Sterblichkeit senken können. Das betrifft zum Beispiel bildgebende Verfahren oder die Bestimmung von Tumormarkern im Blut.
Die Testergebnisse sind teilweise ungenau und können Betroffene beunruhigen. Deshalb wird Früherkennung hier nicht empfohlen.

Aktuell arbeiten Wissenschaftler aus Greifswald, Kiel, Dresden und Berlin an der Entwicklung eines Tests zur Früherkennung von Bauchspeicheldrüsenkrebs. Das Bundesforschungsministerium fördert das Vorhaben in den kommenden vier Jahren (bis 2020) mit 3,6 Millionen Euro.

Ursachen für Pankreaskarzinom, Risikofaktoren

Rauchen, Übergewicht und gestiegenen Lebenserwartung spielen bei der Entstehung von Pankreaskarzinom eine wichtige Rolle, sowie rund 30 Gene, die sich im Laufe eines Lebens verändern könnten.

In den letzten Jahren wurden verschiedene Risikofaktoren beschrieben. Dazu gehören die chronische
Bauchspeicheldrüsenentzündung, exzessiver Alkoholgenuss und Nikotinabhängigkeit, sowie die Adipositas.

Auch die Erkrankung eines langjährigen Diabetes mellitus wurde als Risikofaktor beschrieben (Bosetti et al. 2015), der auch die Prognose des Pankreaskarzinoms verschlechtert.

Eine genetische Veranlagung hat auch Einfluss auf die Entstehung eines Pankreaskarzinoms: ein Verwandter ersten Grades hat ein höheres Risiko an einem Pankreaskarzinom zu erkranken im Vergleich zur Normalbevölkerung. Sind 2 Verwandte ersten Grades erkrankt, ist das Risiko deutlich erhöht.

Ergebnisse aus Kohortenstudien deuten auf eine protektive (schützende) Wirkung von körperlicher Bewegung auf das Pankreaskarzinomrisiko hin (Seufferlein et al. S3-Leitlinie 2013).

Wird ein bösartiger Tumor nicht frühzeitig erkannt und behandelt, können einzelne Krebszellen über die Blut und Lymphbahnen durch den Körper wandern und sich als Metastasen in anderen Organen ansiedeln.
Bauchspeicheldrüsenkrebs ist ein eher seltener Tumor. Allerdings wenn er spät erkannt wird sind die Heilungsaussichten sehr ungünstig. Nur die wenigsten überleben die Krankheit.

In den letzten Jahren hat es jedoch viele Fortschritte in der Behandlung gegeben.

Bauchspeicheldrüsekrebs Behandlung siehe Seite => Behandlung Pankreaskarzinom

 

Bauchspeicheldrüsenkrebs (Pankreaskarzinom) Video, Film

 

AUFGABEN DER BAUCHSPEICHELDRÜSE

Die Bauchspeicheldrüse (das Pankreas) liegt quer im oberen Bauch, hinter dem Magen und vor der Wirbelsäule. Dicht daneben befinden sich unter anderem die Leber und der Darm. Das Pankreas ist etwa 15 bis 20 cm lang und besteht aus vielen kleinen Drüsenzellen. Sie wiegt zwischen 60 und 80 Gramm.
Es wird in drei Abschnitte unterteilt: den Kopf, den Körper und den Schwanz. Auf der Kopfseite misst sie ca. 4 cm im Durchmesser, gegen die Schwanzseite nur noch ca. 1 cm.

Die Bauchspeicheldrüse liegt ungefähr in der Mitte des Oberbauchs, im sogenannten Retroperitonealraum, d. h. hinter dem Bauchfell (griech. Peritoneum = Bauchfell) und dem unteren Teil des Magens und vor der Wirbelsäule. Auf der rechten Körperseite ist die Bauchspeicheldrüse eingebettet (Bild Oben) in eine Schlinge des Zwölffingerdarms; das ist der oberste Teil des Dünndarms. Links stösst sie an die Milz.

Hinter der Bauchspeicheldrüse liegen wichtige Gefässe, die sich von der Hauptschlagader (Aorta) abgezweigt haben. Sie versorgen die Bachspeicheldrüse, die Leber, den Magen, die Milz und den oberen Darm mit Blut. Das venöse Blut aus dem Bauch, dem Dünndarm und der Milz gelangt über zwei Venen, die hinter dem Bauchspeicheldrüsenkopf zusammenfliessen, in die Pfortader (Portalvene) zur Leber.

Längs durch die Mitte der Drüse zieht sich der Ausführungsgang der Bauchspeicheldrüse, der auch als Pankreasgang oder als Ductus pancreaticus bezeichnet wird. Als Hauptgang nimmt er aus einem verzweigten Gangsystem die Verdauungssekrete auf und führt sie Richtung Dünndarm. Der Pankreasgang misst beim gesunden Pankreas im Durchmesser höchstens 3 mm.
Die Bauchspeicheldrüse erfüllt zwei wichtige Aufgaben:

  • Sie produziert jeden Tag etwa 1,5 bis 2 Liter Verdauungssäfte für den Darm.
  • Sie stellt Enzyme und Hormone für die Verdauung und den Stoffwechsel her.

Zwei Typen von Drüsenzellen erfüllen dabei je eine unterschiedliche und voneinander unabhängige Aufgabe.

Exokrine Drüsenzellen

Die exokrinen Drüsenzellen produzieren die Verdauungssäfte; exokrin bedeutet, dass die Sekrete in einem Ausführungsgang, im vorliegenden Fall im Pankreasgang, zusammenfliessen und an ein
Hohlorgan (z. B. Darm) abgegeben werden.

Enzyme und Verdauungsfunktion

Die meisten Zellen in der Bauchspeicheldrüse, die sogenannten exokrinen Drüsenzellen, stellen an die dreissig verschiedene Verdauungsenzyme her. In der Regel sondert die Drüse jeden Tag etwa 1,5 Liter Verdauungssäfte – den eigentlichen Bauchspeichel – ab.
Über ein verzweigtes Gangsystem gelangt der Bauchspeichel in den Hauptgang (Pankreasgang) und von dort in den Zwölffingerdarm.
Erst dort werden die Verdauungsenzyme aktiv: Sie zerlegen die Nahrung in kleinste Teile. Dies ist notwendig, damit die Nährstoffe via Darmschleimhaut aufgenommen (resorbiert) und ans Blut abgegeben werden können.
Die wichtigsten drei Enzyme sind:

  • Amylasen: sie verdauen zuckerhaltige Nahrungsbausteine, die sogenannten Kohlenhydrate.
  • Trypsine: sie verdauen Eiweisse.
  • Lipasen: sie verdauen Fette.

Exokrine Störungen

Werden die Verdauungsenzyme nicht mehr ausreichend produziert, gelangt der Nahrungsbrei ungenügend zerlegt in den Dickdarm, was zu Blähungen, Durchfällen und Bauchkrämpfen führt.
Fettiger, farbloser Stuhl und Stuhl, der im Toilettenwasser «schwimmt», kann beispielsweise darauf hindeuten, dass das Enzym Lipase fehlt und somit ungenügend Verdauungssäfte produziert werden.

Endokrine Drüsenzellen

Die endokrinen Drüsenzellen stellen Hormone her, z. B. für die Blutzuckerregulation, für die Regulation der Darmtätigkeit etc. Endokrin bedeutet, dass die Sekrete direkt ins Blut abgegeben werden

Regulation des Blutzuckers

Die für die Regulierung des Zuckerstoffwechsels zuständigen Hormone wie das Insulin und das Glucagon werden in der Bauchspeicheldrüse in den sogenannten Inselzellen produziert.
Diese Zellen sind auch als Langerhanssche-Inseln bekannt (nach ihrem Entdecker, dem deutschen Mediziner Paul Langerhans). Ein gesunder Mensch hat ca. eine Million solcher Inselzellen.
Ist die Blutzuckerregulation gestört, führt dies über kurz oder lang zu schwerwiegenden Folgen.

Insulin

Insulin hat die Aufgabe, den Blutzuckerspiegel auszugleichen, damit die Körperzellen den Zucker
aufnehmen können. Der Zucker aus der Nahrung gelangt über den Darm ins Blut und ist eine wichtige
Energiequelle unseres Körpers.
Alle Zellen sind auf diese Form von Energie angewiesen. Fehlt das Insulin, so verbleibt der Zucker in den Blutgefässen und der Blutzuckerspiegel steigt (Hyperglykämie).
Ein zu hoher Zuckergehalt im Blut hat auf die Dauer unangenehme, sogar lebensbedrohliche Folgen.
Gelangt zu wenig Insulin ins Blut, ist die Blutzuckerregulation gestört und es kommt zur Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus).

Glucagon

Sobald der Blutzucker abfällt, droht Gefahr, dass die Körperzellen damit unterversorgt sind (Hypoglykämie). In der Folge wird dank Glucagon Glukose (Zucker) freigesetzt, worauf der Blutzucker
wieder ansteigt.

Formen von Bauchspeicheldrüsenkrebs

Die verschiedenen Formen von Bauchspeicheldrüsenkrebs unterscheiden sich primär nach dem
Zelltyp, aus denen sie entstehen. Der Tumor bildet sich

  • entweder aus exokrinen Drüsenzellen, die Verdauungssäfte (Enzyme) produzieren,
  • oder aus endokrinen Drüsenzellen, die Hormone für die Blutzuckerregulation bilden.

Darüber hinaus gibt es zahlreiche Varianten, die sich histopathologisch unterscheiden lassen, d. h.
anhand einer feingeweblichen Untersuchung in der Pathologie, z. B. duktales Adenokarzinom, Neuroendokriner Tumor, Insulinom etc.

Über zwei Drittel der Tumoren entstehen im Pankreaskopf, die anderen treten im Pankreasschwanz auf oder verstreut im Pankreaskörper oder in der ganzen Bauchspeicheldrüse.
Tumorzellen können über Lymph und Blutgefäße auch in entferntere Organe gelangen und dort Fernmetastasen bilden, am häufigsten in der Leber, der Lunge und in den Knochen.

Exokrine Pankreaskarzinome und Neoplasien

Die überwiegende Mehrheit der Pankreaskarzinome, d. h. ca. 95%, entsteht aus exokrinen Drüsenzellen.
Dabei geht die Krebswucherung meistens vom Gewebe des Ausführungsgangs (Pankreasgangs) und seiner Seitengänge aus.
Deshalb spricht man präzisierend auch von duktalen exokrinen Karzinomen (von lat. ductus = Gang).
Bei der Mehrheit dieser duktalen exokrinen Karzinome handelt es sich um sogenannte Adenokarzinome des Pankreas (von griech. adenos = von Drüsengewebe ausgehend).
Spricht man verallgemeinernd von Bauchspeicheldrüsenkrebs oder vom Pankreaskarzinom, ist damit praktisch immer ein exokrines Pankreas(adeno) Karzinom gemeint.
Darüber hinaus gibt es zystische Formen von exokrinen Pankreastumoren.

Adenokarzinom des Pankreas

Der Bauchspeicheldrüsenkrebs ist schwierig zu diagnostizieren und trotz Fortschritte mit ausgedehnteren chirurgischen Eingriffen in Kombination mit neuen Chemotherapien und Bestrahlungen bleibt die Prognose eher sehr ungünstig.

Am häufigsten entstehen exokrine Pankreaskarzinome im Gangsystem des Pankreaskopfes. Der
Hauptgang wird dadurch zunehmend verstopft. Mit der Zeit können die Verdauungsenzyme nicht
mehr in den Zwölffingerdarm abfließen.
Relativ rasch befällt es auch benachbartes Gewebe und Strukturen, d. h. die Gallengänge und den
Zwölffingerdarm. Dabei kommt es zum Stau von Gallenflüssigkeit in den Gallengängen und in der Leber, zur sogenannten Cholestase.
Ein typisches Symptom dafür ist die Gelbfärbung der Haut und der Bindehaut (Ausgeweißt). Zudem ist der Stuhl nahezu farblos und der Urin dunkelbraun. Bei verstopften Pankreasgängen kann auch ein Druck auf das Gewebe im Drüsenkörper und Drüsenschwanz entstehen, wodurch sowohl exokrine als auch endokrine Drüsenzellen zerstört werden können.
Seltener entsteht ein exokrines Pankreaskarzinom im Pankreaskörper oder Pankreasschwanz.
Dort verursacht es vorerst kaum Beschwerden und wächst daher über lange Zeit unbemerkt an.
Karzinome im Pankreaskörper oder Pankreasschwanz greifen eher auf die Milz, den Magen, die Leber, den Dickdarm, das Bauchfell und auch auf benachbarte Lymphknoten, Nerven und Gefäße über, da sie spät entdeckt werden.

Zystische Neoplasien

Aus den exokrinen Zellen können sich auch krankhafte Hohlräume, sogenannte Zysten, oder zystische
Tumoren, bilden. Grob werden seröse Zysten von muzinösen unterschieden, wobei es aber verschiedene Untertypen gibt, die sich unterschiedlich manifestieren und auswirken.
Seröse Zysten sind gutartig. Sie müssen deshalb – im Gegensatz zu muzinösen Zysten – nicht zwingend operiert werden.
Bei muzinösen Zysten kann es zu bösartigen Veränderungen, den sogenannten Zystadenokarzinomen,
kommen. Gelingt es, die Zysten vollständig zu entfernen, so treten sie danach nicht wieder auf.
Von den muzinös zystischen Neoplasien sind mehrheitlich Frauen betroffen. Häufig sind mehrere einzelne Zysten vorhanden.
Die verschiedenen Arten von Zysten werden unter der Bezeichnung zystische Neoplasien zusammengefasst (von lat. Neoplasie = Neubildung). Es besteht ein gewisses Risiko, dass sich aus solchen Neoplasien ein Pankreaskarzinom entwickeln könnte.

Im Pankreas gibt es aber auch viele harmlose Zysten, die nichts mit Krebs zu tun haben, wie beispielsweise Narben, die sich nach einer Bauchspeicheldrüsenentzündung bilden.

Intraduktal papillär muzinöse Neoplasie (IPMN)

Diese Erkrankung kommt familiär gehäuft vor. Sie kann entweder im Hauptgang der Bauchspeicheldrüse oder in dessen Seitengängen entstehen. Mehrheitlich kommt diese Neoplasie im Bauchspeicheldrüsenkopf vor; oft liegen mehrere Zysten zusammen.
Nach ihrer Entfernung bleibt ein gewisses Risiko bestehen, dass sie erneut auftreten.
Bei einer IPMN im Hauptgang des Pankreas ist das Entartungsrisiko viel grösser als bei einer entsprechenden Neoplasie in Seitengängen. Diese Veränderung des Hauptgangs kann die ganze Bauchspeicheldrüse betreffen.
Deshalb wird bei der IPMN des Hauptgangtyps oft die chirurgische Entfernung der ganzen Bauchspeicheldrüse empfohlen, bevor es zu einer manifesten Krebserkrankung kommt.
In der entfernten Bauchspeicheldrüse finden sich dann häufig kleine Krebszellennester.

Neuroendokrine Tumoren des Pankreas (NET)

In seltenen Fällen entwickelt sich ein Tumor aus hormonproduzierenden, endokrinen Zellen, in erster Linie aus Inselzellen. Diese vermehren sich unkontrolliert und produzieren in der Folge zu viel Insulin.
Gelegentlich geht ein Tumor von den Zellen aus, die das Glucagon bilden.
Die daraus entstehenden Krebsformen werden entsprechend Insulinom oder Glucagonom benannt.
Sie machen etwa 5% aller Pankreastumoren aus und sind insgesamt weniger lebensbedrohlich als die exokrinen Pankreaskarzinome.
Insulinom und Glukagonom gehören zu den sogenannt «funktionell aktiven» Neuroendokrinen Pankreastumoren, d. h. sie beeinflussen hormonelle Prozesse.
Der Bezeichnung «neuroendokrin» besagt, dass sich der Tumor sowohl aus Zellen mit gewissen Eigenschaften von Nerven (neuro) als auch von Drüsen (endokrin) entwickeln kann.

Insulinom

Das Insulinom ist mehrheitlich ein gutartiger Tumor. Die Überproduktion von Insulin führt zu typischen Zeichen der Unterzuckerung wie Müdigkeit, Schwäche, Zittern oder Herzklopfen.

Glucagonom

Beim Glucagonom sind jene Zellen betroffen, die Glucagon zur Erhöhung des Blutzuckerspiegels herstellen. Die Auswirkung auf den Zuckerspiegel ist zwar gering, führt aber dennoch zum sogenannten Glukagonom-Syndrom.
Dieses äussert sich unter anderem durch einen mitunter heftigen Hautausschlag.

Nicht-funktionelle Pankreastumoren

Sie gehören ebenfalls zu den Neuroendokrinen Tumoren der Bauchspeicheldrüse.
Nicht-funktionell bedeutet, dass sie keine Hormone produzieren. Man bezeichnet sie daher auch als hormoninaktive NET. Nur durch eine sehr genaue diagnostische Abklärung lassen sie sich von einem exokrinen Pankreaskarzinom unterscheiden.

Neuroendokrine Zellen finden sich an vielen Stellen des Körpers. Entsprechend treten Neuroendokrine Tumoren nicht nur in der Bauchspeicheldrüse auf, sondern auch anderswo im Körper, vor allem im ganzen Magen-Darm-Trakt und auch in der Lunge.

Beschwärden und Symptome Bauchspeicheldrüsekrebs

Die Bauchspeicheldrüsenkrebs in einer frühen Phase der Erkrankung macht sich nur selten bemerkbar.

Als frühe Symptome werden unspezifische Bauchschmerzen, Verschlechterung des Allgemeinzustandes, unwillkürlicher Gewichtsverlust oder auch anhaltende Rückenschmerzen berichtet.
Rückenschmerzen der mittleren oder unteren Brustwirbelsäule, die länger als vier Wochen anhalten, sollten deshalb immer abgeklärt werden.
Ein typisches Erstsymptom des Bauchspeicheldrüsenkrebses ist auch der schmerzlose Ikterus (Gelbsucht):  gelbfärbung der Haut, begleitet von hellem Stuhlgang und rostfarbenem Urin.
Bei Fortschreiten oder Wiederauftreten der Krankheit kommt häufig zu folgenden typischen Beschwerden:

  • Übelkeit oder Erbrechen
  • Appetitmangel oder Gewichtsverlust
  • Verdauungsstörungen, zum Beispiel Durchfall
  • Rückenschmerzen
  • Druckgefühl oder Schmerzen im Oberbauch
  • Hautjucken

Mögliche Symptome:

  • eine Gelbfärbung der Haut und der weißen Augenhaut,
  • dunkler Urin
  • heller Stuhlgang
  • Thrombosen

Was Sie Selbst tun können

  • Lassen Sie Ihren Blutzucker regelmäßig kontrollieren. Die Folge einer Erkrankung der Bauchspeicheldrüse kann eine Zuckerkrankheit sein. Diese muss dann vom Arzt behandelt werden.
  • Achten Sie unbedingt auf Ihre Ernährung und wiegen Sie sich regelmäßig. Versuchen Sie herauszufinden, welche Speisen Ihnen gut tun und welche nicht. Die Fettverdauung ist besonders anfällig, sie kann aber sehr gut über die Einnahme bestimmter Medikamente (Enzyme) eingestellt werden. Sprechen Sie Ihren Arzt darauf an.
  • Eine Krebserkrankung löst häufig Ängste aus. Deshalb kann es sinnvoll sein, psychologische oder psychotherapeutische Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Ernährung bei Bauchspeicheldrüsenkrebs

Es gibt keine bestimmten Vorgaben für die Ernährung bei Bauchspeicheldrüsenkrebs.
Der Patient sollte das essen, was er Patient am besten verträgt. Empfohlen werden leicht verdauliche Lebensmittel.

Die Patienten sollten mehrere kleine Mahlzeiten am Tag zu sich nehmen anstatt der Hauptmahlzeiten.
Der Fettverzehr sollte gering sein. Ballaststoffe wie Rohkost oder Vollkorn nur in kleinen Mengen, da sie schwerer zu verdauen sind.
Alkohol sollte vermieden werden.
Wegen der fehlenden Verdauungsenzyme können Pankreatin-Kapseln zusammen mit der Mahlzeit eingenommen werden.

UNTERSUCHUNG

Ihr Arzt wird Sie zu Ihren Beschwerden befragen und körperlich untersuchen. Hinzu kommen bildgebende Verfahren wie eine Ultraschalluntersuchung, Labortests und häufig auch Gewebeuntersuchungen.

Die Kombination von endoskopischer Untersuchung und Magnetresonanztomografie gilt als die sicherste Methode, um den Bauchspeicheldrüsenkrebs zu diagnostizieren.

Laboruntersuchungen

  • Anhand von Blut-, Harn- und Stuhlanalysen kann ermittelt werden, ob und wie gut die Produktion von Verdauungsenzymen und von Insulin in der Bauchspeicheldrüse funktioniert.
  • Mit einer Blutanalyse kann auch die Funktionsfähigkeit anderer wichtiger Organe, z. B. des Herzens, der Nieren und der Leber überprüft werden. Zudem lassen sich bei Bedarf die sogenannten Tumormarkerbestimmen.
  • Die Tumormarker CA 19-9, CA 50 und CEA eignen sich bei Bauchspeicheldrüsenkrebs nur zur Verlaufsbeobachtung.

Bildgebende Verfahren

Ultraschalluntersuchung (Sonographie)

Bei diesem wenig belastenden Verfahren wird eine Ultraschallsonde langsam über den Oberbauch geführt. Auf einem Bildschirm lässt sich dabei u. a. feststellen, ob die Gallenwege oder der Pankreasgang durch einen Stau erweitert sind, ob der Blutfluss in den Gefässen behindert oder in der Leber möglicherweise Metastasen vorhanden sind. Dadurch wird ein möglicher Tumorverdacht erhärtet.

Endosonographie

Die Endosonographie (endoskopischer Ultraschall) ist eine Erweiterung der Sonographie. Dabei wird der Ultraschallkopf mittels Endoskop ins Körperinnere geführt; dadurch wird Gewebe sichtbar, das durch die Sonographie von aussen nicht darstellbar ist, zum Beispiel vergrösserte Lymphknoten, die hinter dem Magen «versteckt» liegen.
Mittels der Endosonographie können auch Gewebeproben entnommen werden (Biopsie), ohne dass
es zu einer Verschleppung von Tumorzellen kommt. Bei Gewebeentnahmen durch die Haut besteht
hingegen ein gewisses Verschleppungsrisiko.

Computertomographie (CT)

Mit dieser Untersuchung kann die Ausbreitung des Tumors, insbesondere Richtung grosse Blutgefässe beurteilt werden, sowie generell die Blutversorgung der Leber, der Bauchspeicheldrüse etc. Mittels CT des Brustraumes lässt sich auch feststellen, ob Tumorzellen bereits in die Lunge gelangt sind und dort Fernmetastasen gebildet haben.
Das alles ermöglicht Rückschlüsse auf das Krankheitsstadium und beantwortet auch weitgehend die
Frage, ob eine Operation möglich ist oder nicht.
Für die Untersuchung wird ein jodhaltiges Kontrastmittel verabreicht, sofern dies für Sie verträglich ist. Auf diese Weise lässt sich gesundes von krankem Gewebe differenzierter unterscheiden als bei der Sonographie.

Magnetresonanztomographie (MRT, engl. MRI)

Die Magnetresonanztomographie liefert – wie die Computertomographie – ebenfalls Schnittbilder;
diese werden mittels Magnetfeldern und Radiowellen, also ohne Strahlenbelastung erzeugt.
Mittels MRT können beispielsweise die feinen Gangsysteme der Bauchspeicheldrüse und der Galle sowie die Blutgefässe im Oberbauch gut sichtbar gemacht werden. Je nachdem kann ein Kontrastmittel die Darstellung einzelner Strukturen verdeutlichen.
Diese Untersuchung wird nicht standardmässig gemacht, sondern nur, wenn sich aufgrund der Ausgangslage entsprechende Fragen stellen oder eine Computertomographie nicht möglich ist.

Endoskopie, Biopsie

Bei der Endoskopie (griech. endo = innen, skopein = betrachten) wird unter örtlicher Betäubung (Lokalanästhesie) und in Kombination mit einem Beruhigungsmittel ein dünner, flexibler, mit einer Minikamera ausgerüsteter Schlauch (Endoskop) durch Mund und Speiseröhre zum Magen und
Zwölffingerdarm geführt. Dadurch können die Organe und allfällige Veränderungen von innen dargestellt werden.
Eine Erweiterung dieser Untersuchungstechnik wird endoskopische retrograde Cholangiopankreatikographie (ERCP) genannt. Damit lassen sich der Pankreasgang und der Gallengang darstellen.

Für eine Biopsie können auch kleine Instrumente mittels Endoskop eingeführt und damit die Gewebeproben entnommen werden.
Bei eine Gewebeprobeentnahme bei Bauchspeicheldrüsenkrebs entsteht ein hohes Risiko für Metastasenbildung!

PET-CT

Es handelt sich um ein neueres, hochspezialisiertes Verfahren bzw. Gerät, das die Positronen-Emmissions-Tomographie (PET) mit der Computer-Tomographie (CT) verbindet > Im PET kann ein einzelner Tumor anhand des erhöhten Zuckerstoffwechsels erkannt werden.
Beim PET-CT kann der ganze Körper nach Tumorherden abgesucht werden. Dadurch sind vor allem Rückschlüsse auf Metastasen (Ableger) in anderen Organen möglich, z. B. in der Leber oder Lunge.

Bestimmung des Tumormarkers

Manche Tumoren geben bestimmte Stoffe ins Blut ab, sogenannte Tumormarker. Sie sind von Krebsart zu Krebsart verschieden. Der für das exokrine Pankreaskarzinom charakteristische Tumormarker heisst CA-19-9.
Anhand einer Blutprobe kann ermittelt werden, ob Tumormarker vorhanden bzw. erhöht sind oder nicht, und allenfalls auch, um welche Art von Tumor es sich handelt.
Das Vorhandensein oder Fehlen entsprechender Marker sagt jedoch nicht schlüssig aus, ob ein Tumor vorliegt oder nicht. Zum einen kann ein Tumormarker im Blut kaum erhöht sein, obwohl ein Tumor vorliegt. Zum anderen kann der Tumormarker aufgrund anderer Krankheiten der Bauchspeicheldrüse, der Leber oder der Gallenwege erhöht sein.
Anhand von Tumormarkern lassen sich aber später Rückschlüsse auf die Wirkung der Therapie oder auf das Fortschreiten der Krankheit ziehen (Verlaufskontrolle). Deshalb werden sie vor Therapiebeginn gemessen.

Krankheitsstadien Bauchspeicheldrüsenkrebs

Die verschiedenen Untersuchungsergebnisse erlauben, das Ausmass der Krebserkrankung zu erfassen
und zu bewerten. Man nennt dies auch Klassifizierung, Stadieneinteilung oder engl. Staging.
Die genaue Stadieneinteilung ist meistens erst nach der Operation möglich, wenn das entnommene
Gewebe pathologisch untersucht werden kann. Dies gilt vor allem auch für das am häufigsten auftretende duktale Adenokarzinom des Pankreas.
Um die Stadieneinteilung zu benennen, wird die internationale TNM-Klassifikation verwendet.

TNM-Klassifikation

T steht für Tumor und dessen lokale Ausdehnung; die Ausdehnung wird mit Zahlen von 0 bis 4 ausgedrückt. Je höher die Zahl, desto weiter hat sich der Tumor ausgebreitet bzw. desto
grösser ist er.

  • TX Der Primärtumor kann nicht lokalisiert werden.
  • Tis Tumor in situ, d. h. oberflächlich, ohne Gewebe zu infiltrieren.
  • T1 Der Tumor ist auf die Bauchspeicheldrüse begrenzt und in seiner grössten Ausdehnung maximal 2 cm gross.
  • T2 Der Tumor ist auf die Bauchspeicheldrüse begrenzt und misst in seiner grössten Ausdehnung mehr als 2 cm.
  • T3 Der Tumor wächst über die Bauchspeicheldrüse hinaus, zum Beispiel in den Zwölffingerdarm, die Gallenwege, die Pfortader (Portalvene zur Leber), jedoch nicht in grössere Blutgefässe.
  • T4 Der Tumor infiltriert grosse Blutgefässe, zum Beispiel Arterienverzweigungen der Hauptschlagader (Aorta).

N steht für Lymphknoten (von lat. nodus = Knoten)

  • N0 Die benachbarten Lymphknoten sind tumorfrei.
  • pN0 Kein Befall von regionären Lymphknoten. Das kleine «p» steht für «pathologisch». Es bedeutet, dass die Diagnose in der Pathologie aufgrund einer histologischen Untersuchung von mindestens zehn operativ entnommenen, regionären Lymphknoten gestellt wurde.
  • N1 Benachbarte Lymphknoten sind befallen.

Bei einer TNM-Klassifizierung nach der Operation wird mit einem kleinen «p» ausgedrückt, dass es sich um ein pathologisch gesichertes Resultat handelt, z. B. pT3 oder pN1.

Stadieneinteilung

Bei Bauchspeicheldrüsenkrebs werden aufgrund der TNM-Klassifikation folgende Stadien unterschieden:

  • Stadium I: Tumorausdehnung T1 bis T2, Lymphknotenbefall N0, keine Fernmetastasen M0.
  • Stadium II: Tumorausdehnung T1 bis T3, Lymphknotenbefall N0 bis N1, keine Fernmetastasen M0. Stadium I und II werden auch als Frühstadium bezeichnet.
  • Stadium III: Tumorausdehnung T4, Lymphknotenbefall N0 bis N1, keine Fernmetastasen M0. Dieses Stadium wird auch als «lokal fortgeschritten» bezeichnet.
  • Stadium IV: Tumorausdehnung T1 bis T4, Lymphknotenbefall N0 oder N1, Fernmetastasen vorhanden M1. Dieses Stadium wird auch als «metastasierend» bezeichnet.

Differenzierung der Krebszellen (Tumorgrading)

Für die Wahl der bestmöglichen Therapie wird neben der TNM-Klassifikation auch das Krebsgewebe
beurteilt. Anhand der Gewebeproben wird untersucht, wie stark die Krebszellen von den normalen
gesunden Zellen, aus denen der Tumor entstanden ist, abweichen. Dadurch lässt sich abschätzen,
wie langsam oder wie aggressiv der Tumor vermutlich wächst. Je mehr die Krebszellen sich von den
gesunden Zellen unterscheiden (d. h. je weniger differenziert sie sind), desto bösartiger und schneller
wächst der Tumor. Fachleute sprechen vom Differenzierungsgrad oder engl. «Grading».
Die Abweichung wird mit dem Buchstaben «G» und Zahlen von 1 bis 3 ausgedrückt.

  • G1 Die Krebszellen sind den gesunden Zellen noch ziemlich ähnlich (gut differenziert).
  • G2 Die Krebszellen unterscheiden sich deutlicher von den gesunden Zellen (mässig differenziert).
  • G3 Die Krebszellen sind den gesunden Zellen kaum noch ähnlich (wenig differenziert) und daher bösartiger als G1 oder G2.

Wenn keine Biopsie gemacht wird, kann das Tumorgewebe erst während oder nach einer allfälligen
Operation pathologisch untersucht und differenziert werden.

Bauchspeicheldrüsekrebs Behandlung siehe Seite => Behandlung Pankreaskarzinom

 

 

 

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