Darmkrebs

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Darm, Darmkrebs

Darmkrebs eine Krebserkrankung im Dickdarm, in Enddarm, Rektumkarzinom, kolorektales Karzinom. Gute Heilungschancen im Frühstadium. Blut im Stuhl.

Darm ist der wichtigste Teil des Verdauungstraktes. Darmkrebs gehört zu den häufigsten bösartigen Erkrankungen.

Wahrscheinlichkeit für Karzinom, Dickdarmkarzinom-Position

Karzinom Wahrscheinlichkeit

Nach Schätzungen des Robert Koch-Instituts Berlin jedes Jahr erkranken in der Bundesrepublik Deutschland mehr als 73.000 Menschen, sterben ca. 14.000 Männer und 13.000 Frauen. Im Mittel sind Frauen 75, Männer 71 Jahre alt, wenn sie die Diagnose erhalten. Mehr als die Hälfte der Betroffenen erkrankt nach dem 70. und nur etwa 10 Prozent vor dem 55. Lebensjahr.

Darmkrebs ist bei jungen Menschen besonders aggressiv.

Unter Darmkrebs versteht man meistens eine Krebserkrankung im Dickdarm (Kolonkarzinom) und/oder Enddarm (Rektumkarzinom), die auch als kolorektales Karzinom bezeichnet wird. Krebs im Dünndarm ist sehr selten. Der Darm gehört zum gastrointestinalen Trakt (Magen-Darm-Trakt). Er spielt bei der Verdauung und der Nährstoffaufnahme eine zentrale Rolle.

Die Haupttodesursache bei Darmkrebs sind Zweittumoren (Metastasen) in der Leber.

Die Ursachen für die Entstehung von Darmkrebs sind bisher nicht geklärt.

Wissenschaftler haben nachgewiesen, dass das Risiko mit dem Alter zunimmt. Die Veranlagung für Darmkrebs kann aber auch innerhalb von Familien vererbt werden.

Die gesetzlich Versicherten haben einen Anspruch auf jährlichen Test auf verborgenes Blut im Stuhl. Ab dem 56. Lebensjahr hat jeder Anspruch auf zwei Darmspiegelungen und zwar im Abstand von zehn Jahren.

Heilungschancen beim Darmkrebs

Die Heilungschancen hängen vom Ausmaß des Tumors innerhalb der Darmwand und von Verbreitung von Metastasen.
Wird der Darmkrebs in einem frühzeitigen Stadium entdeckt und behandelt, sind die Heilungschancen im Allgemeinen gut.
Im fortgeschritten Stadium nehmen die Heilungschancen schnell ab, so das oft nur noch die Möglichkeit einer palliativen Therapie besteht.

Einige Befunde deutenan, dass die Tumorlokalisation ein wichtige Faktor auf Krankheitsverlauf hat: wenn sich der Tumor im linken Darmabschnitt gebildet hat, nimmt die Erkrankung besseren Verlauf, als wenn der Tumor sich im rechten Darmabschnitt befindet.

Wenn die Tumoren nur auf die innere Darmwand beschränkt waren und noch keine Metastasen gebildet hatten, haben Patienten (laut Studien) eine 5-Jahres-Überlebensrate von ca. 70 % bis 80 %.
Sind auch die Lymphknoten nicht betroffen (Stadium I), so liegt die 5-Jahres-Überlebensrate sogar bei 95 %.
Wenn der Tumor über die Darmwand hinaus wächst und möglicherweise bereits das Bauchfell erreicht hat, leben nach 5 Jahren noch ca. 80 % der Betroffenen.
Sind die Lymphknoten bereits befallen, sinkt der Anteil der Überlebenden auf etwa 30 % bis 50 %.

Wenn in anderen Organen Tochtergeschwülste nachgewiesen wurden, ist eine Heilung schwierig. Die individuelle Prognose hängt davon ab, ob es möglich ist auch die Metastasen operativ zu entfernen.

Darm

Im Mund wird die Nahrung beim Kauen zerkleinert und durch den Speichel angedaut. Die Speiseröhre befördert diese Masse in den Magen, wo sie weiter aufbereitet wird und anschließend in den 3 bis 5 Meter langen Dünndarm. Im Zwölffingerdarm treffen die Enzyme der Bauchspeicheldrüse auf den Speisebrei und bauen ihn so weit ab, dass die Aufnahme der Nährstoffe in den Körper möglich ist. Der Rest der Nahrung, der nicht aufgenommen werden kann, also unverdaulich ist, gelangt in den 1,5 Meter langen Dickdarm und wird hier „eingedickt“: Während der Passage durch den letzten Teil des Verdauungssystems wird dem Darminhalt so viel Wasser entzogen, dass diese Masse um etwa 75 Prozent verringert wird. Erfüllt der Dickdarm diese Aufgabe nicht (z.B. bei Durchfall Erkrankungen), kann der Wasserverlust über den Darm in schweren Fällen lebensbedrohlich werden. Dickdarm misst nahezu eineinhalb Meter.

Auch im in den Mastdarm (Enddarm, Rektum), der sich an den Dickdarm anschließt, findet noch eine gewisse Resorption von Wasser statt. Da er jedoch mit fünfzehn bis zwanzig Zentimetern sehr kurz ist, kann er nur noch wenig Wasser aufnehmen. Die Hauptaufgabe des Mastdarms ist jedoch die Stuhlentleerung in Gang zu bringen.

Der Dickdarm besteht aus verschiedenen Muskelschichten (Ring- und Längsmuskulatur), die den Darminhalt mischen und vorwärtsbewegen (Darmperistaltik).

Die Darminnenwand ist mit einer drüsenhaltigen Schleimhaut überzogen, die unzählige kleine Vertiefungen (Krypten)aufweist. Zwischen Schleimhaut-und innerer Muskelschicht liegt die Submukosa (sub lat. = unter; mucosa von lat. mucus = Schleim), eine Verschiebeschicht aus lockerem Bindegewebe mit Nerven und Gefäßen.

Die untersten 4 Zentimeter des Enddarms bezeichnet man als Analkanal; hier geht die Darmschleimhaut allmählich in «normale» äußere Haut über.

Blut im Stuhl

Für Blut im Stuhl können verschiedenen Ursachen verantwortlich sein: beispielsweise Magen-Darm-Infekte, Darmpolypen, Hämorrhoiden, Magengeschwür, chronisch-entzündliche Darmerkrankungen, aber auch bösartige Erkrankungen wie Darmkrebs.

Blut im Stuhl kann auch ein mögliches Symptom bei Magenkrebs sein.
Die häufigsten Ursachen für Blutungen Im mittleren Bereich des Verdauungstraktes sind Tumore des Dünndarms. Auch im Dickdarm können entartende Wucherungen Blut im Stuhl nach sich ziehen. Diese müssen aber nicht bösartig sein.

Die Farbe und Beschaffenheit des im Stuhl beigemischten Blutes können sehr unterschiedlich sein.

Rotes Blut im Stuhl

Ist das Blut im Stuhl hell- oder dunkelrot, beigemischt, oder streifenförmig, ist das Blut relativ frisch. Diese Art von Blut im Stuhl nennt man Hämatochezie. Die Blutungsquelle liegt dann sehr wahrscheinlich im mittleren oder unteren Magen-Darm-Trakt.
Wenn der Stuhl gleichmäßig dunkelrot gefärbt ist, kann dies z. B. auf eine größere Blutung im Bereich des Dickdarms hindeuten.
Bei kleineren Blutungen treten eher Gelee artige Blutspuren im Stuhl auf.

Hellrote Streifen können wiederum auf eine frische Blutung im Bereich des Enddarms hinweisen, wie sie etwa bei Hämorrhoiden vorkommen kann.

Schwarzes Blut im Stuhl

Erscheint der Stuhl schwarz und glänzend, spricht man von sogenanntem Teerstuhl (Meläna).

Eine schwarze Färbung des Stuhls deutet also meist auf eine Blutungsquelle oberhalb des Dünndarms hin, wie sie zum Beispiel bei einem Magengeschwür oder Blutungen in der Speiseröhre vorkommen kann.

Da aber auch Darmbakterien bei längerem Kontakt Hämoglobin in Hämatin umsetzen können, kann schwarzes Blut im Stuhl auch andere Ursachen haben.

Okkultes Blut im Stuhl

Wenn Blut im Stuhl vorhanden ist, aber nicht sichtbar.
Meist wird dies zufällig im Rahmen einer Grunduntersuchung entdeckt, oder auf Verdacht bei bekannten Läsionen im Verdauungstrakt.

Da man das Blut nicht mit bloßem Auge erkennen kann, bedient man sich eines Stuhlbluttests (Hämoccult), mit dessen Hilfe sich auch kleine Mengen von Blut im Stuhl nachweisen lassen.

Der immunologische Stuhltest (präziser immunologischer fecal occult blood test  iFOBT) ersetzt den bislang üblichen,  Hämoccult®-Stuhltest (Gujak-basierter Test; gFOBT).
Im Rahmen des Darmkrebs-Screenings wird der iFOBT ab dem 50. Lebensjahr einmal jährlich empfohlen.

iFOBT wird von der gesetzlichen Krankenkasse ab 01.04.2017 bezahlt.

 

Ursachen und Risiken für Darmkrebs

Es gibt keine eindeutige Ursache für Dick- und Enddarmkrebs. Grundsätzlich kann jede Person daran erkranken. Mit steigendem Alter nimmt das Erkrankungsrisiko zu.

Eine ausgewogene, ballaststoffreiche Ernährung mit viel Obst und Gemüse und regelmäßige körperliche Bewegung können das Risiko senken.

Bei bestimmten – auch jüngeren – Personen besteht ein familiär bedingtes, erhöhtes Risiko für Darmkrebs.

Darmkrebs Risikofaktoren sind:

  • Darmkrebserkrankungen (oder Darmpolypen) bei Eltern oder Geschwistern. Besonders von Belang sind − der so genannte «Hereditary Non Polyposis Colorectal Cancer» (HNPCC), zu dem das «familiäre Kolorektalkarzinomsyndrom» und das «hereditäre Adenokarzinomsyndrom» gehören,− die «Familiäre adenomatöse Polyposis» (FAP), bei der sich zahllose kleine Darmpolypen bilden;
  • früher gefundene und entfernte Darmpolypen;
  • chronisch entzündliche Darmerkrankungen

Früherkennung

Fast alle Darmkrebs-Erkrankungen entstehen aus gutartigen Vorformen, aus adenomatösen Polypen oder Adenomen.

Es dauert in der Regel viele Jahre, bis sich aus einem Polypen ein Darmkrebs entwickelt. Durch die Entfernung von Adenomen kann eine Krebsentstehung verhindert werden. Darmkrebs selber verursacht in der Regel erst spät Beschwerden (sichtbares Blut im Stuhl, Blutarmut, veränderte Stuhlgewohnheiten, Gewichtsabnahme).

Weil Darmkrebs so häufig auftritt und weil er vollständig heilbar ist, wenn er frühzeitig erkannt und behandelt wird, gibt es die Möglichkeit der kostenlosen Früherkennungsuntersuchungen.

Früherkennung von Darmkrebs – das bezahlt die Krankenkasse:

  • Ab 50 Jahren: einmal jährlich ein Test auf verborgenes Blut im Stuhl (FOBT).
  • Ab 55 Jahren: Anspruch auf eine erste Darmspiegelung (Koloskopie)
  • Eine zweiten Darmspiegelung frühestens zehn Jahre nach der ersten Untersuchung
  • Für diejenigen Versicherten, die die Darmspiegelung nicht in Anspruch nehmen wollen oder können: ab 55 Jahren alle zwei Jahre Test auf verstecktes Blut im Stuhl

Symptome Darmkrebs

Darmkrebs am Anfang verursacht in der Regel keine Beschwerden, erst später werden die Symptome spürbar. Typische Darmkrebs Symptome sind Durchfall, Müdigkeit, Verstopfung, Blutungen sowie Bauchschmerzen.

  • Veränderte Stuhlgewohnheiten: Treten plötzlich Durchfall oder Verstopfung auf oder wechseln beide, (dafür kann auch eine andere Ursache geben)
  • Krampfartige Bauchschmerzen und auch wiederholt einsetzender zwingender Stuhldrang, häufig ohne anschließende Stuhlentleerung
  • Blässe und Blutarmut (Anämie) als Hinweis darauf, dass der Darm längere Zeit unbemerkt leicht geblutet hat.
  • unklarer Gewichtsverlust,
  • Blut im Stuhl oder schleimiger Stuhl, rektale Blutungen,
  • Stuhldrang, ohne Stuhl absetzen zu können. Ein Tumor im Enddarm z. B. kann schlimmstenfalls eine Stuhlentleerung verunmöglichen, was zu einer Notfallsituation führt.
  • Appetit- und Energieverlust

Diagnostik, Untersuchungen

  • Test auf verborgenes Blut
    Dickdarmpolypen

    Dickdarmpolypen

  • Dickdarmspiegelung (Koloskopie) mit Gewebeentnahme (Biopsie)
  • Ultraschalluntersuchung (Sonographie) des Bauches (Abdomen). Manche Veränderungen weisen indirekt darauf hin, dass Krebsgeschwülste vorhanden sind, z.B. in Leber, oder Lymphknoten die vergrößert sind
  • Computertomographie, CT
  • Magnetresonanztomographie, MRT
  • Tumormarker, die sind jedoch nicht bei allen Darmkrebs-Patienten vorhanden und können auch bei Gesunden vorkommen. Ein für den Darmkrebs wichtiger Tumormarker ist das CEA (carcino-embryonales Antigen).

Koloskopie, Darmspiegelung

Wann immer möglich wird eine Koloskopie gemacht, das heißt, der ganze Dickdarm wird mittels Endoskop genau untersucht. Nur in Ausnahmesituationen beschränkt man sich auf eine Rektoskopie (Enddarmspiegelung).

Beim Endoskop handelt es sich um einen mit einer Mini-Kamera versehenen, biegsamen Schlauch, durch den verschiedene Instrumente eingeführt werden können. Das Endoskop (von griech. éndon = innen, innerhalb) wird durch den After in den Darm eingeführt und bis zum Caecum (Stelle, wo der Dünndarm in den Dickdarm mündet) geschoben.

Dann wird das Endoskop langsam zurückgezogen. Zur Erweiterung des Darms wird Luft eingeblasen.

  • Die Bilder von dieser Untersuchung können auf einem Bildschirm verfolgt werden. Sie erlauben, die Darmschleimhaut mehrfach vergrößert auf verdächtige Gewebe Veränderungen zu untersuchen. Gleichzeitig können Gewebeproben entnommen werden (Biopsie).
  • Allfällige Polypen können während der Untersuchung abgetragen werden (Polypektomie). Grössere oder zahlreich vorhandene Polypen oder Adenome müssen manchmal nachträglich chirurgisch entfernt werden.
  • Das während der Endoskopie entnommene Gewebe wird mikroskopisch untersucht. Eine solche Untersuchung ist die einzige Möglichkeit, Krebs mit Sicherheit zu diagnostizieren oder auszuschließen.
  • Komplikationen (z. B. Verletzung der Darmwand bei der Polypenabtragung, Blutung) sind sehr selten; treten sie auf, sind sie medizinisch gut zu beheben.
  • Bei der so genannt «Virtuellen Koloskopie» wird kein Gerät eingeführt; die Vorbereitungen (Abführmittel) sind aber dieselben. Es handelt sich um eine Kombination von Computertomographie und Magnetresonanztomographie. Sie ist weniger treffsicher als die Endoskopie und zudem mit Strahlenbelastung verbunden. Werden verdächtige Stellen diagnostiziert, müssen danach trotzdem endoskopisch Gewebeproben entnommen und Polypen abgetragen werden.

Bestimmung des Tumormarkers

Manche Tumoren geben bestimmte Stoffe ins Blut ab, so genannte Tumormarker. Anhand einer Blutprobe kann ermittelt werden, ob sie vorhanden sind oder nicht. So lassen sich später aufgrund sich ändernder Werte Rückschlüsse auf die Wirkung der Therapie oder auf das Fortschreiten der Krankheit machen (Verlaufskontrolle).

Die für Darmkrebs charakteristischen Tumormarker heißen CEA (karzino-embryonales Antigen) und CA 19–9.

Krankheitsstadien

TNM-Klassifikation bei Darmkrebs

Die verschiedenen Untersuchungen erlauben, das Ausmaß der Erkrankung zu erkennen und zu bewerten. Man nennt dies auch Staging.

Bei Dickdarmkrebs kann das genaue Staging oft erst während oder nach der Operation bzw. aufgrund der Lymphknotenentnahme gemacht oder präzisiert werden. Beim Rektumkarzinom hingegen ist ein möglichst genaues Staging vor der Operation (präoperativ) wichtig, um sich für die bestmögliche Therapie entscheiden zu können. Basis für das Staging ist die internationale TNM-Klassifikation:

T steht für Tumor; seine Größe und Ausdehnung wird mit Zahlen von 0 bis 4 ausgedrückt.

Je höher die Zahl, desto weiter hat sich der Tumor ausgebreitet.

Tis bedeutet Tumor in situ, auf die Oberfläche der Schleimhaut begrenzt.

 

  • T1 Der Tumor wächst in die Submukosa ein.
  • T2 Der Tumor wächst in die Muskelschicht des Darms.
  • T3 Der Tumor wächst durch alle Schichten des Darms.
  • T4 Der Tumor wächst in benachbartes Gewebe oder greift auf Nachbarorgane über.

N steht für Lymphknoten (von lat. nodus = Knoten).

  • N0 Lymphknoten sind tumorfrei.
  • N1 Bis zu drei benachbarte Lymphknoten sind befallen.
  • N2 Mehr als drei benachbarte Lymphknoten sind befallen.

M steht für Fernmetastasen. Bei kolorektalen Karzinomen sind Lebermetastasen am häufigsten.

Auch Lungenmetastasen kommen vor. Knochen- und Gehirnmetastasen sind eher selten.

  • M0 Keine Fernmetastasen nachweisbar.
  • M1 Der Tumor hat in andern Organen Ableger gebildet.

Verschiedene TNM-Kombinationen sind möglich. Die Diagnose kann z.B. lauten: T2N1M0 oder T3N0M0.

Je nach Kombination ergibt sich ein anderes Stadium:

Stadien Einteilung

Bei kolorektalen Karzinomen wird die TNM-Einteilung in vier Stadien (I–IV) zusammengefasst. Je weiter sich die Krankheit im Körper ausgedehnt hat, desto höher ist die Ziffer und desto fortgeschrittener das Stadium.

  • Stadium I: Tumorausdehnung bis T2, weder sind Lymphknoten befallen noch Metastasen nachweisbar.
  • Stadium II: T3 oder T4, weder sind Lymphknoten befallen noch Metastasen nachweisbar.
  • Stadium III: T1 bis T4, Lymphknotenbefall bis N2, keine Metastasen nachweisbar.
  • Stadium IV: T1 bis T4, Lymphknotenbefall bis N2, Fernmetastasen vorhanden (M1).

Mit zusätzlichen Buchstaben (z. B. IIA oder IIB) werden Untergruppen der Stadien präzisiert.

Grading

Für die Wahl der bestmöglichen Therapie spielt auch die Beurteilung des Krebsgewebes eine große Rolle. Dabei wird untersucht, wie stark die Krebszellen von normalen gesunden Zellen abweichen. Dadurch lässt sich abschätzen, wie langsam oder wie aggressiv der Tumor wächst. Fachleute sprechen vom «Grading» oder vom Differenzierungsgrad.
Die Abweichung wird mit dem Buchstaben «G» und Zahlen von 1 bis 4 ausgedrückt.

  • G1 besagt, dass die Krebszellen gut «differenziert» sind und sich nur geringfügig von gesunden Zellen unterscheiden.
  • G4 hingegen bedeutet, dass die Krebszellen völlig undifferenziert, den gesunden Zellen nicht mehr ähnlich und daher sehr bösartig sind.

Therapie

Ausschlaggebend für die Wahl einer Therapie sind die Lage des Tumors (Dickdarm, Enddarm) und das Krankheitsstadium, d. h.: ob der Tumor auf die Schleimhaut begrenzt ist, sind Lymphknoten befallen, haben sich bereits Metastasen (Ableger) in anderen Organen gebildet, das Alter und der allgemeine Gesundheitszustand.

Die Operation

es wird versucht, den Tumor und die ihn umgebenden Lymphknoten möglichst vollständig zu entfernen. Wenn der Tumor zu einem Darmverschluss geführt hat, stellt die Operation die Darmpassage wieder her: Die quälenden Schmerzen und anderen Symptome eines Darmverschlusses lassen nach.

Kann eine Krebsgeschwulst im Darm durch eine Operation komplettentfernt werden, sind die Heilungsaussichten günstig.

Während der Operation wird der Bauchraum genau untersucht. Vereinzelt vorhandene Lebermetastasen werden, sofern sie aufgrund ihrer Zahl, Größe und Lage operabel sind, sogleich entfernt. Die Leber ist ein anpassungsfähiges Organ; auch wenn Teile fehlen, ist sie noch funktionstüchtig.

Noch vorhandene oder später auftretende Lebermetastasen können je nach Situation mit anderen Verfahren reduziert oder entfernt werden.

Die beiden Darmteile werden wieder miteinander verbunden, so dass die Darmpassage nach einer gewissen Zeit wieder normal funktionieren kann. Manchmal wird jedoch vorübergend ein Stoma angelegt, damit der Darm sich erholen kann. In diesem Fall werden die beiden Darmteile nach einigen Wochen, wenn der Heilungsprozess im Darm abgeschlossen ist, wieder zusammengenäht.

Das entnommene Gewebe wird genau untersucht, um festzustellen, wie tief der Tumor in die Darmwand eingedrungen ist und ob Lymphknoten befallen sind.

Nach der Operation fehlt ein kleinerer oder größerer Darmteil. Doch selbst nach Entfernung eines größeren Darmsegments sind bleibende Verdauungsstörungen selten.

Künstlicher Darmausgang (Stoma)

Je nach Darmteil, der entfernt werden musste, kann der Stuhl nicht mehr auf natürlichem Weg ausgeschieden werden. In solchen Fällen wird durch die Bauchdecke ein künstlicher Darmausgang, ein so genanntes Stoma (griech. = Mund, Öffnung) angelegt. Der medizinische Fachausdruck dafür lautet anus praeter, was so viel heißt wie künstlicher After.

Muss der ganze Dick- und/oder Enddarm inklusive Schließmuskel entfernt oder stillgelegt werden, wird ein Dünndarmteil durch die Bauchdecke gezogen; man spricht von einer Ileostomie (lat. Ileum = Dünndarm).

Wenn nur ein Teil des Dickdarms entfernt wird, wird eine Dickdarmschlinge nach aussen gezogen; man spricht von einer Colostomie (griech. colon = Dickdarm).

Der Stuhl wird von speziell flachen, auswechselbaren Beuteln aufgefangen, die an die Bauchdecke geklebt werden. Der Umgang damit ist gut zu erlernen. Dennoch müssen sich Betroffene an diese neue Situation gewöhnen. Nach einer gewissen Zeit gelingt es jedoch den meisten, wieder ein nahezu normales Leben zu führen.

Ein Stoma kann sowohl vorübergehend als auch dauerhaft sein. Dank verbesserter chirurgischer Techniken sind bleibende Stomata seltener geworden.

Bestrahlung

Das Bestrahlungsfeld umfasst nicht nur die Tumorregion selbst, sondern auch das Lymphabflussgebiet. Es wird deshalb das gesamte kleine Becken bestrahlt. Bei tiefsitzenden Tumoren und nach operativer Eröffnung des Darms muss zusätzlich die Darmregion in das Bestrahlungsfeld eingeschlossen werden. Die Bestrahlung erfolgt meist über drei oder vier Felder: zwei seitliche und je eines im Bereich des Unterbauches und des Gesäßes.

Bestrahlung von außen (perkutane Radiotherapie)

Die Strahlen werden in der Regel von außen (perkutan, d. h. durch die Haut) und von verschiedenen Seiten auf den Tumor und die umliegenden Lymphknoten gerichtet.

Der Patient oder die Patientin geht während sechs bis acht Wochen fünfmal pro Woche zur Radiotherapie. Die einzelnen Sitzungen dauern nur wenige Minuten.

Intraoperative Radiotherapie

Bei der mit der Abkürzung IORT bezeichneten Bestrahlungsart wird Tumorgewebe beim geöffneten Bauch (also nicht perkutan) bestrahlt und zerstört.

Bestrahlung von innen (Brachytherapie)

In seltenen Fällen kann auch von innen bestrahlt werden. Dabei werden die Strahlenquellen direkt im Tumorgewebe, in dessen unmittelbarer Nähe bzw. im betroffenen Organ platziert. Diese Bestrahlungstechnik wird als Brachytherapie (griech. brachys = kurz) oder interstitielle Brachytherapie (von interstitium = Zwischenraum) bezeichnet. Brachytherapien können nur in ausgewählten Zentren und unter ganz bestimmten Voraussetzungen auf Kosten der Grundversicherung durchgeführt werden.

Mögliche unerwünschte Wirkungen

Durchfall, Blähungen, Schmerzen beim Wasserlassen, Hautveränderungen im Bereich des Damms (zwischen Anus und Penisansatz bzw. Vagina), Schleimhautprobleme (Darm), Vernarbungen; Bestrahlungen im Beckenbereich können Fruchtbarkeit oder Zeugungsfähigkeit beeinträchtigen.

Ob und wie stark Nebenwirkungen auftreten, hängt von der Lage und Grösse des Tumors und von der Strahlendosis ab. Ihr Radioonkologe oder Ihre Radioonkologin wird Sie entsprechend beraten.

Medikamentöse Therapien

Je nach Behandlungssituation kommen unterschiedliche Krebsmedikamente und Therapieschemata zum Einsatz. Laufend werden neue Medikamenten-Kombinationen und Behandlungspläne im Rahmen klinischer Studien erprobt, an denen man als Patient unter bestimmten Bedingungen teilnehmen kann. Jüngste Forschungen zur Behandlung von Darmkrebs haben dafür gesorgt, dass die Chemotherapie mit neuartigen, zielgerichteten Medikamenten kombiniert werden kann. Hierzu zählen Antikörper zur Hemmung der Blutgefäßneubildung des Tumors (Angiogenese-Hemmung) oder zur Hemmung des Tumorwachstums.

Chemotherapie, Zytostatika

Darunter versteht man eine Behandlung mit zellschädigenden oder wachstumshemmenden Medikamenten, so genannten Zytostatika (griechisch zyto = Zelle, statikós = Stillstand).

! Die Chemotherapie bei jungen Patienten mit Darmkrebs oft schlechter anschlägt.

Zytostatika bewirken, dass sich die schnell wachsenden Krebszellen nicht mehr teilen und somit nicht weiter vermehren können. Dabei werden auch gesunde Zellen, die schnell wachsen, geschädigt, z. B. Zellen des blutbildenden Systems (Knochenmark), Haarzellen, Zellen der Schleimhäute (auch jener in Magen und Darm), Samen- und Eizellen.

Dies ist die Hauptursache der verschiedenen Nebenwirkungen einer Chemotherapie. Während die Krebszellen absterben, können sich gesunde Zellen allerdings meist wieder erholen, so dass die unerwünschten Wirkungen nach der Behandlung wieder zurückgehen.

Die Behandlung erfolgt in der Regel ambulant. Zytostatika gelangen via Blut in den ganzen Körper, d. h. sie wirken systemisch. Je nach Krebskrankheit werden andere Zytostatika eingesetzt; es gibt über hundert verschiedene.

Bei Darmkrebs werden häufig mehrere miteinander kombiniert. Sie werden in vier bis sechs Zyklen mit jeweils einer Pause dazwischen verabreicht, teils als Infusion, teils oral, d. h. in Tablettenform. Letztere können zu Hause eingenommen werden und verursachen eher weniger Nebenwirkungen.

Mögliche unerwünschte Wirkungen Veränderungen des Blutbildes, was je nachdem das Infektionsund Blutungsrisiko erhöhen oder zu allgemeiner Erschöpfung führen kann; Schleimhautprobleme, Hautausschläge, Appetitlosigkeit, Gefühlsstörungen in Händen und Füssen, Übelkeit, Magen-/Darmbeschwerden, Störungen der Herztätigkeit, Beeinträchtigung der Fruchtbarkeit oder Zeugungsfähigkeit.
Haarausfall ist bei einigen Chemotherapien gegen Dick- und Enddarmkrebs eher selten.

Generell hängen die Nebenwirkungen eng mit dem Medikamententyp, der Indikation und der Dosierung zusammen.

Antikörpertherapie

Antikörper sind Bestandteil unseres natürlichen Immunsystems. Sie werden im Körper gezielt gebildet, um Eindringlinge (z. B. Krankheitserreger) zu bekämpfen. Gewisse Antikörper können heute auch im Labor hergestellt und als Medikament eingesetzt werden.

Jede Zelle, auch die Krebszelle braucht für ihr Wachstum Sauerstoff, Nährstoffe und bestimmte körpereigene Signalstoffe, damit sie sich entwickeln und ihre Funktion im Körper erfüllen kann. Wird dieser Mechanismus gestört, kann die Zelle nicht mehr wachsen oder sie stirbt ab.

An ihrer Oberfläche weist jede Zelle unterschiedliche Merkmale, so genannte Rezeptoren auf, die je ein bestimmtes, für die betreffende Zelle lebensnotwendiges Signal empfangen können. Signal und Rezeptor passen zueinander wie ein Schlüssel in ein Schloss.

Gelingt es, den Rezeptor zu beeinträchtigen, erhält die Zelle das betreffende Signal nicht mehr.

Antikörpertherapien beruhen auf Substanzen, die einen solchen spezifischen, für das Wachstum einer bestimmten Krebszelle wesentlichen Rezeptor blockieren und damit der Zelle eine Lebensgrundlage entziehen können.

Es gibt verschiedene Wirkstoffe und Wirkungsweisen:

  • Tumor-Wachstums-Blocker: ein Antikörper, d. h. ein ganzbestimmter Wirkstoff, blockiert selektiv einen Rezeptor, der sich bei etwa 70% der Betroffenen auf der Oberfläche der Dickdarmkrebszellen befindet. Es handelt sich um den so genannten Epidermal Growth Factor Receptor EGFR. Über diesen EGFR wird die Krebszelle zum Wachstum angeregt. Wird er blockiert, kann die Zelle das Signal zum Wachstum nicht mehr empfangen. Mögliche unerwünschte Wirkungen sind Hautreaktionen (Akne), bedingt durch die EGF-Rezeptoren in der Haut (epidermal von Epidermis = Oberhaut), Konjunktivitis (Bindehautentzündung), Durchfall, diffuse Schmerzen, Übelkeit, allgemeine Schwäche.
  • Angiogenese-Hemmer: ein Antikörper, d. h. ein ganzbestimmter Wirkstoff, hemmt die Neubildung der Blutgefäße von Tumorzellen (griech. Angiogenese = Gefässentstehung).Die Krebszellen geben normalerweise einen so genannten Vascular Endothelial Growth Factor V-EGF in die Blutbahn ab. Er dockt an die V-EGF-Rezeptoren der Blutzellen, um diese zur einer Neubildung von Gefässen zu bewegen. Damit «sichern» sich die Krebszellen die lebenswichtige Durchblutung. Der Angiogenese-Hemmer kann diese Rezeptoren blockieren und damit die Versorgung des Tumors mit Blutgefässen stören. Mögliche unerwünschte Wirkungen sind Blutungen (z. B. Nasenbluten), Magen-Darm-Störungen (vor allem Durchfall), Blutdruckanstieg, Thrombosen/Embolien, diffuse Schmerzen, allgemeine Schwäche.

Antikörpertherapien sind erst für wenige Krankheitsformen und -stadien oder nur im Rahmen von klinischen Studien zugelassen; sie werden in der Regel in Kombination mit einer Chemotherapie eingesetzt und als Infusion verabreicht. Bisherige Studien zeigen, dass sie in ausgewählten Fällen die symptomfreie Überlebenszeit verlängern und die Lebensqualität verbessern können.

S3 Leitlinien Kolorektales Karzinom (KRK)

Die erste S3-Leitlinie  für die Früherkennung und Behandlung von Dickdarm- und Mastdarmkrebs wurde 1999 veröffentlicht.  Bei der Aktualisierung der Version von 2013 wurden die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse berücksichtigt. In der aktualisierten Version von 2017  wird besonders die Wahl der geeigneten Behandlungsstrategie neu bewertet.

Hier können Sie die Leitlinien anschauen: =>  Leitlinie Kolorektales Karzinom

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2 Kommentare

  1. es wäre schön, wenn es eine herunterladbare (pdf) Version gäbe. ein Ausdruck durch Markierung ergibt ein unbefriedigendes Ergebnis.
    oder habe ich etwas übersehen?
    mfg Ernst Deschner

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