Hodenkrebs, Nebenhoden

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Hodenkrebs, Nebenhodenkrebs, Symptome, Behandlung, Selbstuntersuchung

 

Hodenkrebs als Tumor der Keimzellen der jungen Männer ist In den meisten Hodenkrebs, Hodenkarzinom, NebenhodenFällen heilbar. Ursachen, Symptome, Untersuchung, Therapie, Nebenhodenentzündung.

Hodenkrebs beginnt in einem der beiden Hoden und im weiteren Verlauf auch Nebenhoden und Samenleiter erfassen kann.

Als Hodenkrebs oder auch Hodenkarzinom ist ein bösartiger Hodentumor, an den vor allem junge Männer in der Altersgruppe von 20 bis 40 Jahren erkranken, es sind etwa 70% der Patienten.
In Deutschland erkranken pro Jahr gut 4.000 Männerauf Hodenkrebs, etwa 12 Neuerkrankungen pro 100.000 Einwohner und Jahr.
Die niedrigste Erkrankunsrate  wurde bei Afroamerikanern festgestellt, 1,7 Neuerkrankungen pro 100.000 Einwohner.
Er wird meist durch Selbstabtastung entdeckt.

In den letzten Jahren zeigte sich in den Industrieländern eine steigende Erkrankungsrate von Hodenkarzinomen bei einer abnehmenden Sterberate.  Am stärksten ist die Zunahme in Dänemark, Schweden und Norwegen. Die Ursachen dieser Zunahme ist bisher nicht bekannt. Neben genetischen Faktoren spielt möglicherweise auch die Ernährung eine wichtige Rolle.

Alle Wucherungen im Hodensack, die gutartige als auch bösartige (Hodenkrebs) – werden als Hodentumor (lateinisch tumor = Wucherung, Schwellung, Geschwulst) bezeichnet.
Etwa zehn Prozent dieser Hodentumoren sind Geschwulste des Nebenhodens und des Samenstranges.
Die meisten davon sind gutartig wie zum Beispiel der sogenannte Adenomatoidtumor. Es gibt dort allerdings auch bösartige Neubildungen wie das paratestikuläre Rhabdomyosarkom. Diese Form von Hodenkrebs geht aus dem Hodenhebermuskel, dem Musculus cremaster, hervor. Sie macht bei Jugendlichen etwa 13 Prozent aller Hodentumoren aus.

Die meisten Hodentumore, nämlich 90 Prozent, sind jedoch Tumoren des Hodengewebes.

Heilungschancen bei Hodenkrebs

Die 5-Jahres-Überlebensrate bei Patienten die bei Diagnose unter 40 Jahre alt sind liegt bei über 96%.
Bei Männern, die bei Diagnose des Tumors bereits die 40 überschritten haben ist die Prognose weniger günstig. In eine dänische Studie lag die 5-Jahres-Gesamt-Überlebensrate bei 82,5%.

Nur wenn die Metastasen schon sehr weit fortgeschritten seien, gebe es manchmal keine Rettung mehr.

Die niedrige Sterblichkeitsrate wird vor allem mit einem guten Ansprechen auf Chemo- und Strahlentherapie erklärt.

Hodenkrebs ist fast ausschließlich Tumor der Keimzellen, also den Spermien und ihren Vorläuferzellen.
In den allermeisten Fällen ist heute heilbar. Bei vielen Betroffenen bleiben nach der Therapie die Erektions- und die Zeugungsfähigkeit erhalten, sodass ein erfülltes Sexualleben und Nachkommen weiterhin möglich sein sollten.

Hoden (Testes)

Die Hoden sind die männlichen Keimdrüsen.Hodenkrebs

Die pflaumengroßen Organe sind paarig vorhanden. Jeder Hoden misst etwa fünf Zentimeter im Längsdurchmesser, ist zwischen 12 und 30 ml groß und liegt in einer schützenden Hülle, dem Hodensack (Skrotum), direkt unter dem Penis. Diese Hauttasche enthält zahlreiche Schweiß-, Talgund Duftdrüsen sowie Muskelzellen. Letztere sorgen dafür, dass sich die Haut ausdehnen beziehungsweise zusammenziehen kann.
Auf diese Weise wird die Temperatur der Hoden gleichmäßig bei 34 bis 35 Grad Celsius gehalten. Diese niedrige Temperatur ist für die Samenbildung besonders wichtig, denn männliche Samenzellen sind während ihrer Reifung sehr temperaturempfindlich.

Im hinteren Bereich des Hodens (Mediastinum testis) münden im Samenstrang Gefäße, Nerven und der Samenleiter

In den Hoden, genauer in den Samenkanälchen der Hoden, bilden sich aus Keimzellen die Samenzellen (Spermien). Dieser Prozess wird durch Testosteron gesteuert, das hauptsächliche männliche Sexualhormon, das ebenfalls in den Hoden produziert wird. Testosteron steuert zudem die Entwicklung der männlichen Geschlechtsorgane sowie die Ausbildung der Geschlechtsmerkmale (tiefe Stimme, Bartwuchs, Erektionsfähigkeit, Lustgefühl etc.).

Von den Hoden gelangen die Spermien über ein verzweigtes, beide Hoden verbindendes Röhrensystem in die Nebenhoden. Diese liegen auf der Rückseite der Hoden und sind gut tastbar.

In den Nebenhoden reifen die Spermien, die dort «gelagert» sind. Beim Samenerguss (Ejakulation) werden sie über den Samenleiter und die Prostata – unter Beimischung von Flüssigkeit (Sekret) aus den sogenannten Samenbläschen und der Prostata – via Harnröhre durch den Penis nach außen befördert.

Ein Schlag oder ein Tritt in die Hoden (Eier) tut extrem weh

Bei einem Schlag oder Tritt in die Hoden (oder auch die Eier) wird der Schmerz sehr “intensiv” wahrgenommen.

Der Hoden im Hodensack ist durch keine Muskeln, Knochen oder anderes Gewebe gut geschützt. Dort gibt es sehr viele Nerven die den Schmerz zum Hirn leiten.
Der Schmerz zieht sich bis in den Magenbereich.

 

Hoden Selbstuntersuchung Anleitung

Bei jedem Mann zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr wird von Ärzten empfohlen die Hoden einmal monatlich selbst zu untersuchen.
Die Selbstuntersuchung ist einfach und nimmt nur wenig Zeit in Anspruch.

Führen Sie die Selbstuntersuchung nach einer warmen Dusche oder einem warmen Bad durch.
Dann ist die Haut des Hodensacks entspannt, so dass die Hoden gut zu tasten sind.

1. Auf- und abheben. Betasten Sie zunächst Hodensack und Hoden Hodenkrebs-Selbstuntersuchung-1mit geöffneter Handfläche von unten, indem Sie die Hand leicht auf und ab bewegen.
So bekommen Sie ein Gespür für die Größe und das Gewicht Ihrer Hoden.

2. Hin- und herrolen. Jeder Hoden sollte vorsichtigHodenkrebs-Selbstuntersuchung-2 mit beiden Händen abgetastet werden. Legen Sie dazu Zeige- und Mittelfinger unter den Hoden, die Daumen auf den Hoden.
Rollen Sie den Hoden dann zwischen Daumen und Fingern hin und her. So können Sie Unebenheiten oder Knoten leicht ertasten.

3. Nebenhoden mit einem Knoten nicht verwechseln. Versuchen Sie den Nebenhoden zu finden, der für die Speicherung der in den Hoden gebildeten Samen zuständig ist. Er liegt dem Hoden zur Innenseite sichelförmig an und sollte nicht mit einem auffälligen Befund verwechselt werden.

4. Vor dem Spiegel prüfen. Zum Schluss stellen Sie sich vor den Spiegel und schauen, ob Ihnen
eine Schwellung im Bereich des Hodensacks auffällt. Auch diese sollten Sie Ihrem behandelnden Arzt zeigen.

Typisch für einen auffälligen Befund ist meist ein schmerzloser Knoten im Hoden selbst.
Jeden auffälligen Befund  sollten Sie zur Abklärung sofort Ihrem Arzt mitteilen. Warnzeichen können sein:

• einseitige Schwellung oder Vergrößerung
• Schergefühl im Hoden
• Veränderungen der Konsistenz
• Gefühlsveränderungen oder dumpfer Schmerz im Hoden
• Flüissigkeitsansammlung im Hoden
• kleiner, harter aber schmerzloser Knoten aut dem Hoden


Hodentumoren, Hodenkrebs

Gutartige Hodentumoren

Tumoren, die von Bindegewebszellen ausgehen und als Stromatumoren bezeichnet werden, sind in den meisten Fällen gutartig.

 

Nebenhodenentzündung (Epididymitis)

Die akute Nebenhodenentzündung ist die häufigste Ursache einer akuten Hodenschwellung.

Die Ursache ist in den meisten Fällen eine Harnweginfektion.
Keime gelangen über die Harnröhre und den Samenleiter zum Nebenhoden.

Prostatavergrößerungen, Harnröhrenverengungen, starkes Pressen z.B. beim Stuhlgang oder eingelegte Blasenkatheter können den Entzündungsvorgang unterstützen.

Typischer Symptom für Nebenhodenentzündung ist eine schmerzhafte Schwellung mit Überwärmung und Rötung im Bereich des Hodens.
Es kann auch Fieber und eine Wasseransammlung im Bereich der Hodenhüllen vorkommen.

Bei starker Entzündung ist der Nebenhoden nicht mehr vom Hoden abgrenzbar.

Diagnostik der Nebenhodenentzündung

  • gründliche körperliche Untersuchung,
  • Urin- und Blutuntersuchungen und ggf. Harnröhrenabstriche.
  • Eine Ultraschall- und Farbduplexuntersuchung, um Durchblutungsstörungen oder Abszedierungen (abgekapselte Eiteransammlung) zu erkennen.
  • Uroflowmetrie (Harnflussmessung), um eine Störung des Harnflusses zu detektieren
  • Restharnmessung

Behandlung der Nebenhodenentzündung

eine erregerspezifische Antibiotikatherapie in Kombination mit einem schmerz- und entzündungshemmenden Medikament.
Zusätzlich sollte eine Hochlagerung und Kühlung des Hodens erfolgen. Bei Restharnbildung empfiehlt sich die Anlage eines Bauchdeckenkatheters.
Bei ausgeprägtem Infekt oder einer Abszedierung kann eine operative Therapie mit Abszess Ausräumung und Nebenhodenentfernung notwendig sein.

 

Hodenkrebs

Etwa 90 Prozent aller bösartigen Tumoren des Hodens entstehen aus den primordialen Keimzellen. Im Prinzip sind das Vorläufer der Spermien, die aber in einem sehr frühen Entwicklungszustand stehen geblieben sind.   Sie können sich ein KarzinomM verwandeln.

Man spricht daher auch von Keimzelltumoren. Das sind Tumoren, die von Keimzellen, also den Spermien und ihren Vorläuferzellen, entstehen.

Anhand von feingeweblichen (histologischen) Untersuchungen werden sie bestimmten Gruppen zugeordnet. Man unterscheidet im Prinzip zwei Gruppen:

  • das Seminom (von lat. semen = Samen),
  • die Nicht-Seminome und ihre Untergruppen;

diese Tumoren weisen Anteile verschiedener Zelltypen auf und werden entsprechend unterschiedlich genannt: embryonales Karzinom, Chorionkarzinom, Dottersacktumor, Teratom.

Die Patienten die an nicht seminomatösen Keimzelltumoren erkranken sind im Median 27 Jahre alt, Patienten mit reinen Seminomen im Median annähernd zehn Jahre älter.

Das Seminom, mit einem Anteil von 95 Prozent die häufigste Hodenkrebs-Variante, ist innerhalb weniger Jahre zu einer der am besten erforschten Krebserkrankungen geworden.

Es gibt auch seltenere Hodentumore, die von Testosteron produzierenden Zellen und dem Stützgewebe des Hodens ausgehenden: Leydig- und Sertoli-Zelltumoren. Auch Tochtergeschwülste (Metastasen) von Tumoren anderer Organe können in den Hoden auftreten.

Eine genaue Unterscheidung ist wichtig, da sich die Therapie nach der Art des Tumorgewebes richtet.

Meistens ist nur ein Hoden betroffen. Bei etwa 5% der Hodenkrebspatienten entwickelt sich aber im Laufe des Lebens auch im andern Hoden ein Keimzelltumor.
Mit dem Fortschreiten der Krankheit wird zunehmend funktionstüchtiges Hodengewebe verdrängt. Zudem können die Tumorzellen über die Blut- oder Lymphgefäße in benachbarte Lymphknoten und in andere Organe gelangen und dort Metastasen bilden.

Bei Hodenkrebs finden sich Metastasen am häufigsten in Lymphknoten im hinteren Bauchraum, in den sogenannten retroperitonealen Lymphknoten (von lat. Peritoneum = Bauchfell), oder in der Lunge. Deutlich seltener sind Metastasen in den Knochen, in der Leber und im Gehirn.

Keimzelltumoren außerhalb des Hodens

Bei einem Sonderfall des Hodenkrebses, beim sogenannten extragonadalen Keimzelltumor, entsteht der Primärtumor nicht im Hoden selbst, sondern an einer anderen Stelle im Körper:

  • in einem Lymphknoten hinter dem Brustbein (mediastinal)
  • in einem Lymphknoten im Bauchraum (retroperitoneal)
  • im Gehirn (zerebral)

An diesen Körperstellen haben sich während der Embryonalphase sogenannte Urkeimzellen entwickelt. Diese können entarten und zum Ausgangspunkt dieser speziellen Form von Keimzelltumoren werden. Das Risiko, später auch an einem Keimzelltumor im Hoden zu erkranken, beträgt für Betroffene mit einem extragonadalen Keimzelltumor weniger als 5%.

Nebenhodentumore, Nebenhodenkrebs

Tumoren des Nebenhodens treten nur selten auf. 3 / 4 von diesen Tumoren sind gutartig. Der häufigste bösartige Tumor des Nebenhodens ist Weichteilsarkom.

Der Tumor besteht oft aus mehreren Knoten, die in der Regel nur durch einen Zufall erkannt werden.
Mögliche Diagnostik: Abtasten und Sonographie.
Bei einem Tumor Verdacht sollte eine Biopsie durchgeführt werden.

Therapie: Operative Entfernung, auch bei gutartigen Tumoren.

Hoden und Nebenhoden bilden eine funktionelle Einheit. Bei Erkrankungen sind sie daher oft gemeinsam betroffen.

Ursachen für Hodenkrebs

Es gibt keine eindeutige Erklärung für die Entstehung von Hodenkrebs. Gewisse Faktoren können das Erkrankungsrisiko erhöhen, führen jedoch nicht bei allen Betroffenen zu Hodenkrebs. Am höchsten ist das Risiko, wenn eine Person gleichzeitig mehreren Risikofaktoren ausgesetzt ist.
Die meisten Faktoren sind vom einzelnen Menschen kaum beeinflussbar.

Risikofaktoren für Hodenkrebs

es gibt mehrere unterschiedlichen Risikofaktoren für Hoden Krebs:

  • Der Hodenhochstand, auch Leistenhoden, Maldescensus testis oder Kryptorchismus genannt. Der Hodenhochstand ist eine Fehllage der Hoden. Diese entsteht, wenn der Hoden nach der Geburt nicht oder nur teilweise aus dem Bauchraum in den Hodensack hinunterwandert. Ein reduziertes Risiko bleibt jedoch bestehen, auch wenn der Hochstand behoben wurde.
  • Tumor im gegenseitigen Hoden.
  • Männer, bei denen in der Samenflüssigkeit keine oder zu wenig Spermien nachgewiesen werden können. Bei diesen Männern kann durch eine Gewebeentnahme (Biopsie) aus dem Hoden frühzeitig eine Risikoeinschätzung vorgenommen werden.
  • Testikuläre intraepitheliale Neoplasie (TIN). Es handelt sich um fehlerhafte Keimzellen, die schon vor der Geburt vorhanden sein, sich aber erst mit dem Hormonschub bei der Pubertät zu Krebszellen entwickeln können. TIN-Zellen sind mikroskopisch gut nachweisbar.
  • Testikuläre Dysgenesie, d. h. eine Störung der geschlechtlichen Differenzierung (männlich/weiblich) mit Missbildung der männlichen Geschlechtsgänge und der äusseren Geschlechtsorgane, sowie verkleinerten Hoden, wie zum Beispiel beim Klinefelter- Syndrom.
  • Primäre Infertilität, d. h. Unfruchtbarkeit in dem Sinne, dass trotz regelmässigen Geschlechtsverkehrs kein Kind gezeugt werden konnte.
  • Hodenkrebs bei hellhäutigen, europäischstämmigen Männern deutlich häufiger vorkommt als bei afrikanisch- stämmigen Männern.
  • Ein erhöhtes Risiko für Hodenkrebs besteht auch, wenn ein Verwandter ersten Grades (Vater, Bruder) bereits an Hodenkrebs erkrankt ist.

Kein Risikofaktor ist hingegen der Pendelhoden, eine Hodenfehllagerung, bei der der Hoden, zum Beispiel wenn es kalt ist, vorübergehend nach oben in die Bauchhöhle gezogen wird.
Auch besteht kein direkter Zusammenhang zwischen Hodenkrebs und der Häufigkeit von sexuellen Kontakten, dem Tragen von engen Hosen oder der Ausübung von Sportarten wie Boxen, Velofahren, Fußball etc.

Mögliche Hodenkrebs Symptome

Hodenkrebs macht sich meist schon in einem frühen Stadium bemerkbar. Die meisten Männer haben ein «komisches Gefühl» und beim Anfassen werden eventuell Veränderungen wahrgenommen.

Mögliche Frühsymptome

  • Schwellung oder Vergrößerung eines Hodens (meist schmerzlos)
  • Verhärtung oder Knoten in einem Hoden (meist schmerzlos)
  • «Ziehen», Spannungs- oder Schweregefühl in den Hoden oder in der Leistengegend
  • Flüssigkeitsansammlung im Hodensack (Hydrozele)
  • Berührungsempfindlichkeit im Bereich der Hoden
  • Schwellung der Brustdrüse (Ursache sind weibliche Hormone, die von gewissen Hodentumoren produziert werden)

Zusätzliche Symptome

Diese Symptome könnten darauf hindeuten, dass bereits Lymphknoten befallen sind oder sich Metastasen gebildet haben:

  • Müdigkeit, Leistungsknick
  • Appetitlosigkeit, Übelkeit
  • Gewichtsabnahme
  • Rückenschmerzen
  • Atemnot

Die erwähnten Beschwerden können aber auch auf andere Krankheiten zurückzuführen oder harmlos sein.

Untersuchung und Diagnose

Bei einem Verdacht auf Hodenkrebs werden voraussichtlich folgende Untersuchungen gemacht:

Körperliche Untersuchung

Der Arzt tastet die Hoden nach allfälligen Knoten ab. Er prüft zudem, ob Lymphknoten, auch solche am Oberkörper, vergrößert und/oder Brustdrüsen geschwollen sind.

Ultraschalluntersuchung Skrotaler Ultraschall

Das Hodeninnere wird mit Hilfe von Ultraschallwellen bildlich dargestellt.
Dazu ist ein besonders hoch auflösender Schallkopf erforderlich.

Die Untersuchungsmethode ist schmerzlos und ungefährlich, d. h. Sie sind keiner Strahlenbelastung ausgesetzt. Die Aufnahmen entstehen aufgrund von Schallwellen, die vom Computer in Bilder umgesetzt werden. Die verschiedenen Gewebeschichten und –arten und ihre Veränderungen werden sichtbar.
Auch (Größen-) Veränderungen von Lymphknoten und inneren Organen können auf diese Weise erkannt und zum Teil beurteilt werden.

Bestimmung des Serum-Tumormarkers

Bei einem Verdacht auf Hodenkrebs wird anhand einer Blutprobe ermittelt, ob Tumormarker vorhanden sind oder nicht. Tumormarker sind Substanzen, die von Tumorzellen abgegeben werden und die man im Blut nachweisen kann. Sie werden deshalb auch als Serum-Tumormarker bezeichnet (Serum = Blutbestandteil).

Die für Hodenkrebs bedeutsamen Serum-Tumormarker heißen:

  • Alpha-Fetoprotein (AFP)
  • Beta-Humanes Choriongonadotropin (Beta-HCG)
  • Laktatdehydrogenase (LDH).

Bei einem Seminom haben etwa 10% der Betroffenen erhöhte Beta-HCG-Werte.
Bei den Nicht-Seminomen sind die Werte aller drei Tumormarker bei etwa 70% der Männer erhöht. Bei etwa 90% aller Hodentumoren ist mindestens entweder AFP oder Beta- HCG erhöht.

Sind Tumormarker vorhanden, fließt dies in die Risikobeurteilung mit ein. Sie dienen auch zur Verlaufskontrolle während der Therapie und zur Abschätzung des Therapieerfolgs. Deshalb werden sie immer vor der Therapie bestimmt.
Allerdings: auch wenn keine Tumormarker nachweisbar sind, kann ein Tumor vorliegen.

Sinken die Tumormarker nach der Operation auf Normalwerte ab, bedeutet dies, dass der Tumor wahrscheinlich vollständig entfernt werden konnte. Bleiben die Tumormarker im Blut erhöht, liegen Metastasen vor.

Gewebeprobe mittels Operation

Erhärtet sich aufgrund der Untersuchungen der Verdacht auf Hodenkrebs, ist eine Gewebeprobe unumgänglich. Ohne diese kann ein Tumor weder ausgeschlossen noch kann eine sichere Diagnose gestellt werden.

Für die Gewebeprobe (Biopsie) ist ein chirurgischer Eingriff nötig. Der verdächtige Hoden wird über einen Schnitt in der Leiste freigelegt. Gefäße werden abgeklemmt, so dass keine Tumorzellen in die Blut- oder Lymphgefäße gelangen können. Daraufhin wird eine Gewebeprobe entnommen und direkt in der Pathologie untersucht (sog. Schnellschnittuntersuchung).

Ein gutartiger Tumor kann in der Regel aus dem Hodengewebe geschält und der Hoden wieder zurückgeführt werden. Man bezeichnet dies als Tumor Enukleation (Enukleation = Ausschälung).

Handelt es sich um einen bösartigen Tumor, muss der Hoden samt Nebenhoden, Samenstrang und dazugehörigen Blutgefässen entnommen werden. Diese Operation wird als Orchiektomie oder Ablatiotestis bezeichnet.

Wenn zu diesem Zeitpunkt bereits ausgedehnte und lebensbedrohliche Metastasen vorliegen, wird unter Umständen vor der Orchiektomie eine primäre Chemotherapie durchgeführt.

In gewissen Situationen (Hodenvolumen geringer als 12 ml, Alter unter 30 Jahre und Maldescensustestis, wird auch eine Biopsie des gegenseitigen Hodens empfohlen. Das entnommene Gewebe wird histologisch (feingeweblich) untersucht. Dabei kann der Tumortyp bestimmt (z. B. «Seminom/Nicht-Seminom») und klassifiziert Werden.

Für die genaue Klassifizierung und Stadieneinteilung sind in der Regel jedoch weitere bildgebende Untersuchungen notwendig.

Computertomographie (CT)

Es handelt sich um ein spezielles Röntgenverfahren mit einer relativ hohen Strahlenbelastung. Mittels einer um den Körper kreisenden Strahlenquelle wird eine Vielzahl von Aufnahmen aus unterschiedlichen Richtungen gemacht. Diese werden elektronisch aufbereitet und in einem Computer zu Schnittbildern bzw. zu einem dreidimensionalen Bild zusammengefügt.
Damit lassen sich vergrösserte, vom Tumor befallene Lymphknoten aufspüren.
Via Lymphgefässe können Hodenkrebszellen in die Lymphknoten des Bauch-, Becken-, Brust- und Halsraumes gelangen. Auch Metastasen in anderen Organen werden «aufgespürt». Am häufigsten ist die Lunge betroffen.
In weit fortgeschrittenen Stadien können auch Leber, Knochen und Gehirn Metastasen aufweisen.

Je nach Situation und Ergebnis werden nur in seltenen Fällen weitere bildgebende Verfahren wie Magnetresonanztomographie (MRT, engl. MRI) oder Knochenszintigraphie eingesetzt.

Krankheitsstadien

Klassifikation

Die verschiedenen Untersuchungen erlauben, das Ausmaß der Krebserkrankung zu erfassen und zu bewerten. Man nennt dies auch Klassifizierung, Stadien Einteilung oder Staging (englisch).

Um die Stadien Einteilung zu benennen, wird die internationale TNM-Klassifikation verwendet. Zusätzlich gehört bei Hodenkrebs auch die Bezeichnung «S» dazu.

T
steht für Tumor und dessen lokale Ausdehnung. Die Ausdehnung wird mit Zahlen von 0 bis 4 ausgedrückt.

  • pTX Der Primärtumor kann nicht beurteilt werden.
  • pT0 Keine Anzeichen eines Primärtumors (z. B. bei narbigem Gewebe).
  • pTis Carcinoma in situ oder testikuläre intraepitheliale Neoplasie (TIN); Frühform eines Tumors
  • pT1 Der Tumor ist auf Hoden und Nebenhoden begrenzt, aber nicht in Blut- oder Lymphgefässe eingewachsen.
  • pT2 Der Tumor ist auf Hoden und Nebenhoden begrenzt und in Blut- oder Lymphgefässe eingebrochen, oder er hat die Hodenhülle befallen.
  • pT3 Der Tumor durchwächst den Samenstrang.
  • pT4 Der Tumor infiltriert die Hodensackwand (Scrotum).

N steht für Lymphknoten (von lat. nodus = Knoten). Damit wird ausgedrückt, ob im Bauchraum, im sogenannten Retroperitoneum, benachbarte (regionäre) Lymphknoten vom Tumor befallen sind. Retroperitoneum bedeutet so viel wie hinterer Bauchraum oder hinter dem Bauchfell liegend.

  • NX Die regionären Lymphknoten können nicht beurteilt werden.
  • N0 Keine regionären Lymphknotenmetastasen nachweisbar.
  • N1 Lymphknotenmetastasen bis maximal 2 cm Ausdehnung.
  • N2 Lymphknotenmetastasen von mehr als 2 cm bis maximal 5 cm Ausdehnung
  • N3 Lymphknotenmetastasen von mehr als 5 cm Ausdehnung.

M steht für Metastasen in anderen Organen. Sie werden auch als Fernmetastasen bezeichnet.

  • M0 Keine Fernmetastasen nachweisbar.
  • M1 Entfernter liegende Lymphknoten (Brusthöhle, Hals) oder die Lunge sind befallen (M1a), oder Fernmetastasen in anderen Organen (Leber, Gehirn, Knochen) sind vorhanden (M1b).

S-Klassifikation

Für die Therapieplanung werden ergänzend zur TNM-Einteilung auch die Serum-Tumormarker berücksichtigt. Diese Werte können sich nach der Operation und nach anderen Therapien verändern und werden daher laufend überprüft.

  • SX Die Werte der Serum-Tumormarker sind nicht verfügbar oder entsprechende Untersuchungen wurden nicht gemacht.
  • S0 Serum-Tumormarker liegen innerhalb der normalen Grenzen.
  • S1–S3 Serum-Tumormarker sind gegenüber dem Normalwert geringfügig bis stark erhöht.

Stadieneinteilung

Etwas vereinfacht lassen sich Hodentumoren aufgrund der TNM Klassifizierung und der Serum-Tumormarker in drei Stadien einteilen. Hinzu kommen, abhängig von weiteren zu berücksichtigenden (Risiko-) Faktoren, mehrere Unterstadien. Diese sind sowohl für die Wahl der Therapie als auch für die Prognose von Belang.

  • Stadium I: Der Tumor ist auf die Hoden und Nebenhoden beschränkt (pT1 bis pT4). Es sind keine Lymphknoten befallen (N0) bzw. der Befall ist nicht nachweisbar. Keine Fernmetastasen sind nachweisbar (M0). Serum-Tumormarker sind nicht bekannt bzw. normal (SX, S0).
  • Stadium II: Tumorausdehnung pTX bis pT4. Ein oder mehrere Lymphknoten im hinteren Bauchraum sind befallen (N1 bis N3). Keine Fernmetastasen sind nachweisbar (M0). Die Serum-Tumormarker sind normal oder geringfügig erhöht (S0 bis S1).
  • Stadium III: Tumorausdehnung pTX bis pT4. Lymphknotenbefall N0 bis N3. Lymphknoten außerhalb des Bauchraumes sind befallen und/oder es sind Fernmetastasen in anderen Organen vorhanden (M1). Serum-Tumormarker S0 bis S3.
    Sind Serum-Tumormarker nach einer Operation oder Therapie gleichbleibend (persistierend), obwohl keine Metastasen nachweisbar sind (M0), geht man ebenfalls von einem Stadium III aus; denn das Risiko ist groß, dass okkulte (versteckte, nicht sichtbare) Metastasen vorhanden sind.

Die Heilungschancen sind bei Hodenkrebs in jedem Tumorstadium gut. Die Therapie ist im frühen Stadium jedoch weniger aggressiv und die dauerhaften Heilungschancen sind höher.

Es ist nicht auszuschließen, dass auch im Stadium I bereits okkulte (versteckte) Metastasen vorhanden sind. Aufgrund verschiedener Daten werden entsprechende Risiko- oder Prognose Faktoren definiert und allenfalls auch im Stadium I zusätzliche (adjuvante) Therapien empfohlen.

Behandlungsmöglichkeiten

Die hauptsächlichen Therapieverfahren sind:

  • Entfernung des betroffenen Hodens (Orchiektomie)
  • Entfernung von Lymphknoten (retroperitoneale Lymphadenektomie)
  • Medikamentöse Therapie (Chemotherapie); bei bestimmten Formen von Hodenkrebs können mehr als 80% der Patienten trotz Metastasen durch die Chemotherapie geheilt werden.
  • Strahlentherapie (Radiotherapie) von Lymphknoten

Diese Behandlungen werden einzeln oder kombiniert angewandt. Werden Sie kombiniert, kann das gleichzeitig oder nacheinander geschehen. Hauptziel ist, den Tumor und allfällige Metastasen vollständig oder möglichst vollständig zu entfernen.

Entfernung des Hodens, Orchiektomie, Ablatio testis

(lat. ablatio = entfernen, abtragen; testis = Hoden). Bei der Orchiektomie (von griech. orchis = Hoden) wird über einen Schnitt in der Leiste der vom Tumor betroffene Hoden samt Nebenhoden und Samenstrang operativ entfernt.
Es handelt sich um einen etwa einstündigen Eingriff unter Teil- oder Vollnarkose.
Das entnommene Gewebe wird in der Pathologie untersucht. Dabei wird auch die Tumorart definiert (Seminom, Nicht-Seminom). Es dauert in der Regel ein paar Tage, bis die Untersuchungsergebnisse vorliegen.

Wenn nicht eindeutig erkennbar ist, ob es sich um bösartiges Tumorgewebe handelt, wird das Gewebe während der Operation pathologisch untersucht. Ist das Tumorgewebe gutartig, wird in der Regel nur der Tumor, nicht der Hoden entfernt.

Während der Operation wird manchmal auch eine kleine Gewebeprobe aus dem anderen Hoden entnommen, um sicher zu sein, dass sich dort keine Krebsvorstufen (sog. TIN) befinden.
Das Risiko, dass später auch der zweite Hoden von Krebs befallen wird, ist allerdings gering und liegt etwa bei 5%.

Erektions-, Orgasmus- und Zeugungsfähigkeit bleiben nach der Orchiektomie in aller Regel erhalten. Im Normalfall kann der andere Hoden genügend Spermien und Testosteron produzieren.

Entfernung von Lymphknoten (retroperitoneale Lymphadenektomie)

Je nach Ergebnis der bildgebenden Untersuchungen und abhängig von weiteren Faktoren müssen allenfalls früher oder später gewisse Lymphknoten im hinteren Bauchraum, dem sogenannten Retroperitoneum, chirurgisch entfernt werden.

Man bezeichnet diese Operation als retroperitoneale Lymphadenektomie (RLA).
Von einer Residualtumorresektion spricht man, wenn es nach einer Chemotherapie noch Tumorreste (Residualtumoren) im Lymphknotengewebe hat, die chirurgisch entfernt werden müssen.

Mögliche Operationsfolgen

Bei Lymphknotenoperationen können – trotz sorgfältiger Operationstechnik – jene Nerven verletzt oder durchtrennt werden, die für die Steuerung der Ejakulation (Samenerguss) zuständig sind.
Die Samenflüssigkeit entleert sich dann in die Harnblase (= retrograde Ejakulation), was die Zeugungsfähigkeit einschränkt.

In sehr vielen Fällen ist heute jedoch, zumindest in darauf spezialisierten Zentren, eine nervenschonende Operation möglich. So oder so sollten bei Hodenkrebs wenn möglich vor allen Eingriffen und Therapien Spermien konserviert.

Medikamentöse Therapien

Chemotherapie (Zytostatika)

Das ist eine Behandlung mit zellschädigenden oder wachstumshemmenden Medikamenten, sogenannten Zytostatika (griechisch zyto = Zelle, statikós = zum Stillstand bringen).

Zytostatika verhindern, dass sich schnell wachsende Krebszellen teilen und somit vermehren. Da durch lassen sich im Körper verbliebene Tumorreste eliminieren oder verkleinern und das Wachstum von Metastasen einschränken.
Dabei werden auch schnell wachsende gesunde Zellen geschädigt, zum Beispiel Zellen des blutbildenden Systems (Knochenmark), Haarfollikelzellen, Schleimhautzellen (Mund, Magen, Darm), Samenund Eizellen.
Diese unerwünschten Wirkungen werden nach der Behandlung nachlassen.

Verschiedene Medikamente

Je nach Krebskrankheit werden andere Zytostatika eingesetzt; es gibt über hundert verschiedene. Bei Hodenkrebs wird, abhängig von der Risikobeurteilung eine Monochemotherapie mit einer einzelnen Substanz oder eine Polychemotherapie mit bis zu drei Substanzen eingesetzt.

Zytostatika werden als Infusion verabreicht. Die Therapie wird in mehrere Zyklen aufgeteilt mit jeweils einer Pause zwischen den einzelnen Zyklen. Dies ermöglicht den gesunden Zellen, sich wieder zu regenerieren.

Mögliche unerwünschte Wirkungen, Nebenwirkungen
  • Blutarmut (Blässe, Müdigkeit, verminderte Leistungsfähigkeit, erhöhtes Infektions- und Blutungsrisiko)
  • Übelkeit, Magen-/Darmbeschwerden
  • Beeinträchtigung der Spermien Produktion und -qualität
  • Haarausfall
  • Entzündung der Mundschleimhaut (Mukositis)
  • Hörbeeinträchtigung, Ohrgeräusche (Tinnitus)
  • Beeinträchtigung der Nierenfunktion (Niereninsuffizienz)
  • zum Teil schmerzhafte Durchblutungsstörungen an Fingern und Zehen (Raynaud-Syndrom)

Hochdosis-Chemotherapie

Eine Hochdosis-Chemotherapie kann erwogen werden, wenn die Krankheit zum Zeitpunkt der Diagnose bereits weit fortgeschritten ist oder wenn mit der normal dosierten Chemotherapie nicht alle Krebszellen eliminiert werden können.
Hochdosis-Chemotherapien werden stationär in spezialisierten Zentren durchgeführt.

Begleitmedikamente

Gegen krankheits- oder therapiebedingte Symptome wie Übelkeit, Fieber und Infektionen, Blutmangel oder Schmerzen kann der Arzt oder die Ärztin verschiedene zusätzliche Medikamente oder Therapien – auch vorbeugend – verordnen:

  • Medikamente gegen Übelkeit und Erbrechen (Antiemetika),
  • Mundspülungen/-sprays bei offenen Stellen im Mund,
  • Antibiotika gegen bakterielle Infektionen,
  • Antimykotika gegen Pilzbefall,
  • Schmerzmittel,
  • Bluttransfusionen oder Medikamente (Erythropoietin) bei Blutmangel oder Transfusionen mit Blutplättchen bei Blutungsgefahr,
  • bei starkem Abfall der weissen Blutkörperchen: Medikamente zur Anregung der Bildung von weissen Blutkörperchen,
  • Kortisonpräparate gegen verschiedene Beschwerden.

Strahlentherapie (Radiotherapie)

Mit einer Strahlentherapie lassen sich gewisse Krebszellen derart schädigen, dass diese sich nicht mehr teilen und vermehren können und absterben.
Die Strahlen können aber auch auf gesunde Zellen wirken und vorübergehend Beschwerden auslösen. Die Strahlen werden von aussen durch die Haut (perkutan) gezielt auf die vom Tumor (möglicherweise) befallenen Lymphknotengruppen und Lymphabflusswege gerichtet.

Bei Hodenkrebs kommt eine Strahlentherapie nur beim Seminom in Frage.
Nicht-Seminome sprechen nicht darauf an.

Im klinischen Stadium I aufgrund der nachweislich hohen Rate an strahleninduzierten Zweitmalignomen auch bei einer Strahlendosis von < 30 Gy (30% höhere Rate an Zweittumoren als in der Normalbevölkerung) soll die adjuvante Strahlentherapie bei jungen Patienten nicht mehr empfohlen werden.

Mögliche unerwünschte Wirkungen
  • Trockenheit oder Rötung der bestrahlten Haut
  • Übelkeit, Erbrechen, Durchfall
  • Müdigkeit

Aktives Überwachen (active surveillance)

Im Frühstadium – wenn der Tumor auf den Hoden beschränkt ist und das Risiko für einen Lymphknotenbefall und für Fernmetastasen als gering eingestuft wird – kann nach der Orchiektomie eventuell auf ergänzende Therapien verzichtet werden.

Bei aktivem Überwachen ist eine regelmässige, mehrjährige und engmaschige ärztliche Kontrolle erforderlich. Erst wenn sich ein Rezidiv (erneutes Auftreten des Tumors) oder Metastasen (Ableger) bilden sollten, werden zusätzliche Therapien eingesetzt.

Die Therapie, Behandlung von Hodenkrebs

Als erster Schritt in der Therapie von Hodenkrebs wird – bei Seminomen und Nicht-Seminomen – in der Regel der betroffene Hoden chirurgisch entfernt (Orchiektomie).
Die weiteren Therapien variieren je nach Tumortyp (Seminom, Nicht-Seminom) und richten sich nach den Krankheitsstadien, den Werten der Serum-Tumormarker und weiteren Faktoren, die sich aus den Untersuchungen ergeben.

Die Kosten sollten bei den überwiegend jungen Patienten, für die im Falle eines Rezidives ein kuratives Therapiekonzept zur Verfügung steht und die besonders viele Lebensjahre verlieren können, in den Hintergrund treten.

Therapie des Seminoms

  • Stadium I: Eventuell ist eine Aktive Überwachung (active surveillance) möglich. Eine Therapie wird in diesem Fall erst dann durchgeführt, wenn sich tatsächlich wieder Tumorzellen manifestieren. Gemäss bisherigen Studien sind bei diesem Vorgehen die Heilungschancen in der Regel gleich gut wie bei einer sofortigen Therapie.
    Niedrig-Risiko Patienten (Tumorgröße <4 cm und keine Rete Testis Invasion) sollen keine adjuvante Therapie erhalten, nur überwacht werden.
    Je nach vorhandenen Risikofaktoren, zum Beispiel Tumorgrösse über 4 cm oder Invasion der Rete testis, wird nach der Orchiektomie entweder eine Bestrahlung des Lymphabflussgebietes im hinteren Bauchraum oder eine Chemotherapie mit einer einzelnen Substanz (Monochemotherapie) empfohlen.

    Die Wahrscheinlichkeit des Auftretens von Metastasen im weiteren Verlauf liegt bei circa 16 %; bei Patienten mit einem Tumor von mehr als 4 cm oder einer Infiltration des Rete testis liegt Metastasierungsrisiko bei 30 %. Die Metastasierung zeigt sich zu 50 % innerhalb den ersten 15 Monate und bei 90 % in den ersten drei Jahren nach der Diagnose. Es bilden sich überwiegend nur Lymphknotenmetastasen, Organmetastasen sind selten.

  • Stadium II und III: Sind nur wenige Lymphknoten im Bauchraum befallen und ist keiner dieser Lymphknotenableger grösser als 5 cm im Durchmesser, wird nach der Orchiektomie entweder eine Strahlentherapie oder eine Chemotherapie durchgeführt.
    Bei ausgedehnteren und grösseren Lymphknotenmetastasen ist eine Chemotherapie mit drei verschiedenen Substanzen (Polychemotherapie) angezeigt.
    Diese ist auch die Therapie der Bei einer ausgedehnten Fernmetastasierung oder bei einem Rückfall (Rezidiv) kann im Rahmen einer klinischen Studie eine Hochdosis-Chemotherapie erwogen werden.

Therapie des Nicht-Seminoms

  • Stadium I: Eventuell kann in diesem Stadium nach der Orchiektomie bis auf weiteres auf eine zusätzliche (sog. adjuvante) Therapie verzichtet werden.
    Häufige und regelmässige Kontrolluntersuchungen sind dabei unerlässlich (active surveillance). Am ehesten ist dies möglich, wenn der Tumor auf den Hoden und Nebenhoden begrenzt ist und noch keine Blut- oder Lymphgefässe infiltriert hat.

    Etwa 30 % der Patienten im klinischen Stadium I entwickeln jedoch im weiteren Verlauf Lymphknotenmetastasen zu 70–80 % im Retroperitoneum (Tumore des hinteren Bauchraums) und/oder hämatogene Metastasen in der Lunge (20–30 %).

    Für Patienten der Hochrisikogruppe wird eine adjuvante Chemotherapie mit ein bis zwei Zyklen PEB (Cisplatin, Etoposid und Bleomycin) empfohlen, Wiederholung am 22Tag.

  • Stadium II und III: Sind nur wenige Lymphknoten im Bauchraum befallen und ist keiner dieser Lymphknotenmetastasen grösser als 5 cm im Durchmesser, wird nach der Orchiektomie eine Chemotherapie mit drei verschiedenen Substanzen (Polychemotherapie) durchgeführt.
    Wenn die Serum-Tumormarker nicht erhöht sind, können statt einer Chemotherapie zuerst bestimmte Lymphknotengruppen im hinteren Bauchraum entnommen und auf Krebszellen untersucht werden (diagnostische retroperitoneale Lymphadenektomie).
    Bleibt nach der Chemotherapie Lymphknotengewebe übrig, so muss dieses Gewebe entfernt werden (postchemotherapeutische retroperitoneale Lymphadenektomie).
    Steht bereits zum Zeitpunkt der Diagnose fest, dass Lymphknoten ausserhalb des Bauchraums befallen sind und/oder sich verbreitet Metastasen in anderen Organen gebildet haben, wird manchmal noch vor der Operation eine Chemotherapie mit drei verschiedenen Substanzen (Polychemotherapie) erwogen.
    Nur bei einem Tumorrückfall (Rezidiv) drängt sich eine Hochdosis- Chemotherapie auf.

Nachsorge

Nach abgeschlossener Therapie werden Ihnen regelmässige Kontrolluntersuchungen empfohlen.
Diese sollte möglichst mit dem onkologischen Zentrum koordiniert werden, wo die Behandlung durchgeführt worden ist.

Bei den Nachsorgeuntersuchungen geht es auch darum, ein Wiederauftreten des Tumors (Rezidiv), einen Zweittumor oder Metastasen frühzeitig zu erkennen und zu behandeln.
In den ersten Jahren nach der Therapie eines bösartigen Hodentumors wird Ihnen der Arzt oder die Ärztin eine medizinische Kontrolle in bestimmten Zeitabständen, zum Beispiel monatlich, alle drei, vier oder sechs Monate, vorschlagen.

Später können die Kontrolluntersuchungen in grösseren Abständen, zum Beispiel jährlich oder zweijährlich, durchgeführt werden.

Quelle: Krebsliga Schweiz und andere

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2 Kommentare

  1. Baran Cetinkaya

    Ich habe mal eine frage die mich sehr beunruhigt. Also ich bin erst 14 jahre alt und will wissen ob ich hodenkrebs habe. Wenn ich dusch dann fühle ich so ein gewölbe in meinem hodensack. Das ist aber nur wenn ich dusche. Ich traue mich nicht wirklich zum artzt zu gehen. Bitte helfen sie mir weiter.

    • wahrscheinlich ist das kein Krebs, aber nur ein Urologe kann das untersuchen.
      Jede Urologe hat schon tausend nackte Männer gesehen, so dass deine Hoden für ihn sind nichts besonderes.

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