Peniskarzinom

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Peniskarzinom bösartiger Tumor des männlichen Gliedes

 

Peniskarzinom bösartiger Tumor des männlichen Gliedes. Ursachen, Symptome, Peniskarzinom Krebs des PenisHeilungschancen, Peniskrebs Behandlung. Metastasen befallen zuerst die lymphknoten der Leisten.

In Europa und Nordamerika erkranken jährlich etwa 1 bis 2 Männer auf 100.000.

In anderen Ländern, wie zum Beispiel in Brasilien oder Uganda erkranken 9 von 100.000 Männern. Die Häufigkeit von Peniskarzinom stark korreliert mit der Häufigkeit der Fälle der humanen Papillomviren in der männlichen Bevölkerung.

Am häufigsten erkranken Männer im Alter zwischen 50 und 60 Jahren, wobei die Erkrankungsrate bei jüngeren Jahrgängen zunimmt, so dass etwa jeder fünfte Betroffene jünger ist.

Der Tumor geht fast immer von der Eichel oder der Vorhaut aus. Metastasen erscheinen zuerst in den lymphknoten der Leisten.

Ursachen, Risikofaktoren

Mehr als 95% der Peniskarzinome sind Plattenepithelkarzinome (der von Haut oder Schleimhaut ausgeht).

Die zwei wichtigste  Entstehungswege des Peniskarzinoms sind: HPV-assoziierte (HPV: humane Papillomaviren) Tumoren und HPV-unabhängige Karzinogenesen bei chronischen Dermatosen. Chronisch entzündliche Dermatosen, oft auch als Ekzeme bezeichnet, sind Entzündungen der oberen Hautschichten

Nachgewiesene Risikofaktoren sind:

  • Rauchen,
  • angeborene oder erworbene Phimose (Vorhautverengung), bei 50% der erkrankten
  • Smegmaretention (Zurückbleiben von Talg zwischen Eichel und Vorhaut), was besonders bei fehlenden Hygiene auftritt
  • Lichen sderosus (chronisch-entzündliche Bindegewebserkrankung),
  • Infektion mit bestimmten Typen der sexuell übertragbaren humanen Papillomaviren (HPV), besonders gefährlich sind Typen 16 i 18.

 Präkanzerosen, Gewebsveränderungen, aus denen sich nach mehr als 5 Jahren in mind. 30% der Fälle ein Karzinom entwickelt, gelten:

  • Leukoplakie (chronische Entzündung mit Verringerung der Schleimhautdicke),
  • Erythroplasie (Schleimhautvariante des Morbus Bowen, eine Dystrophie der Schleimhautzellen).

Symptome

Die Beschwerden sind anfangs sehr gering. Daher gehen die Patienten oft erst sehr spät zum Arzt. 

Erste Symptome sind ein roter oder weißlicher Fleck von weniger als einem Zentimeter Durchmesser, der langsam größer wird und nach Monaten aufgrund leichter Blutungen Krustenauflagerungen zeigt.
Das Gewebe ist verhärtet tastbar.

Erst im späteren Stadium wächst der Tumor blumenkohlartig nach außen und verursacht auch geschwollene, evtl. schmerzhafte Lymphknoten in der Leiste und später im Bereich von Becken.

Diagnose

Als erste sind verschiedene Erkrankungen wie Infektionen mit Pilzen, Bakterien und Viren, Herpes und Condylomata (Feigwarzen, ….. Warzen) auszuschließen.

Die Fluoreszenzdiagnostik zur Früherkennung kann hier behilflich sein. Die Fluoreszenzdiagnostik (FD) regt durch eine bestimmte Substanz entartete Zellen zum leuchten an und macht diese sichtbar.

Die Diagnose eines bösartigen Tumors wird aber erst durch die pathologische Untersuchung einer Biopsie gestellt. Sie erfolgt am sichtbaren Tumor bzw. durch die Entnahme eines verdächtigen Lymphknotens.

 

Peniskarzinom TNM-Klassifikation Tumorstadium

Peniskarzinom TNM-Klassifikation

 

Prognose, Heilungschancen

Nach fünf Jahren leben noch ca. 85% der Betroffenen. Wird frühzeitig behandelt, sind es deutlich mehr.

Ohne Behandlung sterben die meiste Männer innerhalb von zwei Jahren

Therapie, Behandlung Peniskarzinom

In frühen Stadien, wenn der Tumor sich noch nicht in die umliegenden Gewebe ausgebreitet hat, erfolgt eine lokale Strahlentherapie oder der Tumor wird mit Lasertherapie chirurgisch mit einem Sicherheitsabstand entfernt.

Außerdem ist in der Regel eine (teilweise) Penisamputation notwendig. Eine Chemotherapie wird bei nicht heilbaren Fällen zur Schmerzlinderung durchgeführt.
Die (teilweise) Penisamputation ist für den Mann ein sehr erheblicher Eingriff. Eine Penisrekonstruktion ist möglich. Eine Penistransplantationen ist auch möglich.
In fortgeschrittenen Stadien werden Lymphknotenmetastasen ebenfalls entfernt.

Die European Association for Urology (EAU) hat im Jahr 2010 Leitlinien zur Therapie des Peniskarzinoms veröffentlicht, die den derzeitigen Trend zum organerhaltenden operativen Vorgehen berücksichtigen.

Penistransplantation, Penis Amputation

Penistransplantationen sind bereits möglich, und Urologen arbeiten auch an gezüchteten Gliedern.

Im Jahr 2014 haben Chirurgen von der Universität in Kapstadt die weltweit erste erfolgreiche Transplantation gemacht. Die OP war so erfolgreich, dass der 21-jährige Südafrikaner danach ein Kind gezeugt hat.

Im Mai 2016 haben Chirurgen des Massachusetts General Hospital einem 64-jährigen Mann einen neuen Penis transplantiert. Dem Patienten war 2012 aufgrund eines Peniskarzinoms eine partielle Penektomie durchgeführt worden. Bei der 15-stündigen Operation wurden neben der Harnröhre auch zahlreiche Blut­gefäße und Nerven des Patienten mit dem Transplantat verbunden.

Die erste Züchtung von Gliedern aus Stammzellen ist im Wake Forest Institute for Regenerative Medicine in North Carolina bereits im Jahr 2008 gelungen. Es handelte sich zuerst um Versuche bei Tieren (Kaninchen).
Wie lange wird noch dauern um einen Ersatzpenis aus menschlichen Zellen erfolgreich zu züchten, ist noch nicht bekannt.

Organerhaltende Operationstechniken

Während in früheren Operationslehren die partielle oder totale Amputation mit einem Sicherheitsabstand von zwei Zentimetern als primäre operative Therapieoption dominierte, bevorzugen Ärzte mittlerweile organerhaltende Operationsverfahren mit Rekonstruktion des Glieds bis hin zu pT2-Tumoren.

Der Sicherheitsabstand zum Tumorrand darf je nach Grading auf bis zu drei Millimeter reduziert werden.

Die tumorspezifische Überlebensrate wird dabei nicht negativ beeinflusst. Forscher beobachteten einen weiteren Vorteil: Organerhaltend operierte Männer weisen eine signifikant bessere Lebensqualität und höhere sexuelle Zufriedenheit auf.

Selbst im Fall, dass das Tumorstadium eine tiefe Teil- oder Totalamputation des Penis erfordert, ist eine spätere penile Rekonstruktion mit mikrochirurgisch transplantiertem Radialislappen und prothetischer Versorgung möglich.

Im Gegensatz zur partiellen oder totalen Penisamputation bedeutet der Organerhalt eine enorme Entlastung für die Betroffenen. Sie können weiterhin sexuell aktiv sein und meist ohne Beeinträchtigung Wasser lassen.

Lymphknotenektomie

Bei klinisch positiven ein- oder beidseitigen inguinalen Lymphknoten (im Leistenbereich) sollte im Gegensatz zu früheren Strategien nicht mehr wochenlang antibiotisch vorbehandelt werden, sondern zeitnah eine radikale inguinale Lymphknotenentfernung stattfinden.

Bei festen vergrößerten Lymphknoten wird zuerst eine neoadjuvante Chemotherapie empfohlen und danach eine Lymphknotenektomie durchgeführt.

Lokale Rezidive und regionale Lymphknotenmetastasen entwickeln sich in den meisten Fällen innerhalb der ersten zwei Jahre nach der Ersttherapie (75%).
Die Patienten sollten jedoch mindestens fünf Jahre überwacht werden, da 92% aller Rezidive in diesen Zeitraum entstehen.

Nach organerhaltenden Operationsverfahren ist mit einer höheren Rate der Lokalrezidive zu rechnen als nach einer Teil- oder Totalen Amputation (27% vs. 4–5%).

Bei Laseranwendungen ist eine Lokalrezidivrate bis zu 50% möglich.

 

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